Im Rahmen von FEAR-LESS-HOPE
Cinema of Armenia
15.10.2025 bis 28.01.2026 im Kommunalen Kino
Innerhalb des interdisziplinären Projektes FEAR -LESS-HOPE des Zwetajewa Zentrums bieten wir eine Reihe zum armenischen Kino an, die von den Anfängen bis in die unmittelbare Gegenwart reicht. Denkt man an armenische Filmkunst, fällt einem sofort der Name des bildenden Künstlers, Musikers, Autors und Filmemachers Sergei Parajanov (1924-1990) ein. Er war ohne Frage einer der originellsten Regisseure des 20.Jahrhunderts und er hat mit seiner radikal opulenten Bildsprache Kunst -und Filmgeschichte (mit)geschrieben.
Das armenische Kino ist dynamisch, kreativ und sehr vielschichtig und schliesst auch die Filme von Diaspora-Filmemacher*innen ein, da viele Künstler*innen außerhalb von Armenien leben. Auch der Animationsfilm hat eine große Tradition in Armenien, er entwickelte sich in den 1960er-Jahren zu einem der kreativsten Genres. Wir freuen uns, Animationsfilme (1978-2012) von wegweisenden Filmemacherinnen zeigen zu können. Neben der Filmreihe präsentiert das Kommunale Kino auch Veranstaltungen zu deutsch-armenischen Literatur und iranisch-armenische Musik mit der Schriftstellerin Katerina Poladjan und den Musikern Misagh Joolaee und Mahan Mirarab.
Wir laden Sie herzlich zur Eröffnung unserer Filmreihe am 15.10., 19:00 ein. Wir freuen uns sehr auf den Besuch von Sona Harutyunyan, Founder President of KulturDialog Armenien und Director of Hay Art Centre in Jerewan. Der Filmemacher, Autor und Kurator Gari Vanisian wird in den faszinierenden SAJAT NOVA (Die Farbe des Granatapfels) von Sergei Parajanov einführen.
THE LAST TIGHTROPE DANCER
Der preisgekrönte Dokumentarfilm porträtiert zwei gefeierte Meister des Seiltanzes: Zhora (78) und Knyaz (77). Einst erbitterte Konkurrenten, haben sie sich zusammengetan, um die wenigen jungen Männer in Armenien auszubilden, die noch das Potenzial haben, diese Kunst am Leben zu halten. Mit strahlenden Augen blicken die alten Männer auf die guten alten Zeiten zurück. Die Archivaufnahmen zeigen, wie selbstverständlich sie mit dem Fahrrad oder Motorrad über das Seil rasten – und das „ohne Sicherheitsnetz“, wie einer von ihnen betont.
Wann
Mi 28.01., 20:30
Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg
Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt)
Lesung: Hier sind Löwen
Katerina Poladjans Roman „Hier sind Löwen“ ist eine poetische Auseinandersetzung mit der Kunst der Buchrestauration. Im Mittelpunkt steht eine alte Bibel, die den Geschwistern Anahid und Hrant auf ihrer Flucht vor der Deportation als einziges Erinnerungsstück geblieben war. Hundert Jahre später wird dieses Buch in Jerewan der Restauratorin Helen übergeben, die sich daraufhin auf die Suche nach der Geschichte des Buches und der Geschwister macht. Die Spuren führen sie an die Schwarzmeerküste, zum Berg Ararat und schließlich zu ihrer eigenen Familiengeschichte. Der Roman, der 2019 für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde, ist eine Liebeserklärung an Armenien und die Kunst der Buchrestauration ‒ klug, dezent und mit leisem Humor.
Wann
So 09.11., 16:00, Lesung mit Katerina Poladjan
Wo
Galerie
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg
Eintritt
8,00 € (normal) / 5,00 € (ermäßigt)
SANS RETOUR POSSIBLE
„Keine Rückkehr möglich“: Diese drei Worte stehen auf den Ausweispapieren der Armenier, die nach den Massakern von 1915 aus der Türkei geflohen sind. Sans retour possible ist ein Meilenstein in der filmischen Darstellung armenischen Lebens, in dem ältere armenische Menschen, die eine neue Heimat in Frankreich gefunden haben, Erinnerungen an ihre Kindheit im Osmanischen Reich wach werden lassen.
Wann
Mi 12.11., 19:00
Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg
Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt)
Mes Fantômes Arméniens
Als Kind begegnet Tamara Stepanyan dem armenischen Kino im Fernsehen, im Wohnzimmer mit ihrer Familie. Die Mutter eine virtuose Cellistin, ihr Vater ein ab den 1970er Jahren berühmter Schauspieler: In den Filmen, die Tamara im TV sieht, spielt Vigen Stepanyan oft mit. Ausgehend von dieser ersten verblüffenden Entdeckung erzählt der Film vom Aufwachsen in einer künstlerischen und kritischen Familie in den Jahren des Zerfalls der Sowjetunion.
Wann
Mo 17.11., 19:00
Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg
Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt)
Die Farbe des Granatapfels (Sajat Nova)
Wir eröffnen unsere Filmreihe mit SAJAT NOVA, der heute zu den zentralen Werken der Filmgeschichte gehört. Damals brandmarkten die sowjetischen Filmbehörden den Film und unterbanden dessen Verleih. Erst Jahre später kam SAJAT NOVA in einer bearbeiteten Version in die Kinos, wir zeigen die restaurierte Fassung.
Ein Film der Tableaux vivants, der bewegten Stillleben und kunstvollen Kompositionen aus Kleidern, Teppichen, Büchern, Blumen, Tieren und Menschen. In einer Fülle von Bildern – mal surrealistisch, mal ironisch, immer opulent-exzessiv – zeichnet der armenisch-georgische Bildvirtuose Parajanow das poetische Universum des armenischen Lyrikers, Dichters, Komponisten und Sängers Arathin Sayadin nach, der im 18. Jahrhundert zunächst an einem Königshof lebte und später als fahrender Sänger durch die Lande zog.
Wann
Mi 15.10., 19:00, Einführung: Filmemacher Gari Vanisian aus Berlin
Do 20.11., 19:00
Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg
Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt)
ZARE
Der Film „Զարե / Zare“, der Ende 1926 produziert wurde, war der zweite armenische Stummfilm überhaupt. Genau wie der erste, „Namus“, wurde er von dem Kinopionier Hamo Beknazarian (1891‒1965) geschrieben und inszeniert. Der Film, eine Mischung aus Thriller und Melodram, spielt im Jahr 1915 an den Hängen des Berges Alagyaz und erzählt die Geschichte eines kurdischen Mädchens namens Zare und ihres Geliebten Saydo, die unfreiwillig in die Machenschaften des Stammesführers Timur-bek mit den zaristischen Behörden verwickelt werden. Der Film gilt auch als einer der ersten Filme, der das Leben kurdischer und jesidischer Menschen darstellt.
Wann
Sa 6.12., 19:00, Einführung: Nune Hovhannisyan, am Klavier Günter A. Buchwald
Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg
Eintritt
10,00 € (normal) / 7,00 € (ermäßigt)
Female Directors of Armenian Animation
In den 1960er-Jahren wurde der Animationsfilm zu einem der kreativsten Genres des armenischen Kinos. Es war einer der wenigen Bereiche des Filmschaffens, der in der Zeit der Sowjetunion Frauen eine Einstiegschance bot. Zwischen den 1970er und 1990er Jahren begannen vier wichtige Regisseurinnen ihre Arbeit auf diesem Gebiet. Das aus zehn Filmen bestehende Programm bietet einen Einblick in das OEuvre von Elvira Avakyan, Gayane Martirosyan, Naira Muradyan und Lyudmila Sahakyants,
die diese Kunstform nicht nur mit ihrer ganz eigenen stilistischen Sensibilität bereichert haben, sondern auch mit neuen Anliegen, etwa zum zeitgenössischen Leben oder zur Politik.
Wann
Sa 6.12., 21:00
Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg
Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt)
Lesung mit Musik: Wenn die Gedanken kreisen. Texte und Musik zu Frieden und Krieg.
Renate Obermaier und Heinzl Spagl versuchen gemeinsam mit dem Gitarristen Max Zentawer über eine Collage aus Zeitungsartikeln, Tagebuchnotizen, Songtexten, literarischen Zitaten und eigenen Reflexionen eine Annäherung an den russischen Krieg gegen die Ukraine – jenseits der Tagespolitik und doch hochaktuell. Die Arbeit wurde vom Zwetajewa Zentrum bereits im Sommer 2025 gezeigt. Aufgrund des großen Interesses und der durchgehend positiven Reaktion wird die Lesung mit Musik nun nochmals in der Form einer Matinee angeboten.
Wann
So 7.12., 11:00
Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg
Eintritt
10,00 € (normal) / 8,00 € (ermäßigt)
CALENDAR
Für eine Kalenderblatt-Serie reist ein kanadischer Fotograf armenischer Herkunft mit seiner Frau nach Armenien, um Bauwerke zu fotografieren. Der Fotograf ist so in die technischen Anforderungen seines Auftrags vertieft, dass ihm die tatsächliche Geschichte der Bauwerke gleichgültig ist. Der Reiseführer erklärt, dass diese nach religiösen Vorgaben ausgewählt und erbaut wurden. Seine Distanziertheit führt auch dazu, dass sich seine Frau, für die die Reise eine spirituelle Offenbarung ist, von ihm entfernt. Als er allein nach Hause kommt, versucht er, mit Hilfe des Kalenders und einiger Videoaufnahmen über die eigene Fremdheit in Armenien und den Entfremdungsprozess von seiner Frau zu reflektieren.
Wann
Mi 17.12., 19:00
Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg
Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt)
AUSTELLUNGEN: ANKLAGE: „ARMENIER!“ & ZEMENT UND GEDÄCHTNIS
Die Ausstellung „Anklage: Armenier“ zeigt anhand von Chroniken, Dokumenten und persönlichen Schicksalen, wie sich die Sowjetisierung und der staatliche Terror in der UdSSR auf das nationale Bewusstsein der Armenier ausgewirkt haben und bis heute die Erinnerungskultur an die Sowjetzeit bestimmen.
Die Fotoausstellung „Zement und Gedächtnis“ erkundet die Stadtlandschaft von Armeniens Hauptstadt Jerewan, ihre Materialität, ihren sozialen Puls und die unterschiedlichen Schichten ihrer Vergangenheit.
Wann
04.12.25 – 11.01.2026
Wo
Galerie
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg
Eintritt
Eintritt frei
KONZERT: ZWISCHEN WELTEN
Die Musik von Misagh Joolaee und Mahan Mirarab entspringt keiner geografischen Festlegung – sie ist nomadisch, suchend, transkulturell. Was sie verbindet, ist der Dialog mit Herkunft und Gegenwart, mit improvisatorischer Freiheit und kompositorischer Struktur, mit östlicher Tiefgründigkeit und westlicher Formoffenheit. Ein zentrales Element ihrer künstlerischen Sprache ist die bewusste Auseinandersetzung mit der Musik Armeniens – einer Kultur, deren Klanggeschichte zwischen Schmerz, Widerstand, Erinnerung und Schönheit schwebt.
Wann
Sa 10.01., 19:00
Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg
Eintritt
15,00 € (normal) / 12,00 € (ermäßigt)