When the Phone rang
Es ist Frühling 1992 in Novi Sad, und das Telefon klingelt – einmal, zweimal, immer wieder. Jedem dieser Anrufe wird eine andere Erinnerung folgen. Die elfjährige Lana erlebt noch einmal verschiedene letzte Momente ihrer Flucht vor dem Krieg. Es ist, als würden die Erinnerungsfragmente aus dem ehemaligen Jugoslawien sie in ständiger Wiederholung heimsuchen.
Iva Radivojević sammelt in ihrem autofiktionalen Experimentalfilm viele sich verändernde Erinnerungen eines einschneidenden Moments. Analog auf 16-mm-Filmmaterial gedreht, werden besondere und alltägliche Momente sichtbar und spürbar, obwohl sie für immer verloren in einer nicht fassbaren Vergangenheit liegen: der Geschmack der ersten Zigarette, der Blick mit dem Fernglas auf die Nachbarwohnung oder ein letzter Tanz. Der Geschmack von Bildern, die Empfindungen einer verlorengegangenen Welt – sie überdauern, weil sie einen Abschied markieren. Dieses sinnliche Filmerlebnis eröffnet weit über das Persönliche hinaus einen Reflexionsraum, um über kollektive Fluchterfahrungen nachzudenken. Wie können traumatische Momente, Abschiede und die Zersplitterung der eigenen Identität verarbeitet werden? Wie lassen sich überlagerte Zeitwahrnehmungen, verschobene Gefühle und einschneidende Erlebnisse filmisch fassen? Radivojevićs spielerische Freiheit, die sich auch im nichtlinearen Erzählen äußert, öffnet einen empathischen Raum, der Kindheitserinnerungen ernst nimmt.
Flucht aus dem ehemaligen Jugoslawien
Regie
Iva Radivojević
Land, Jahr | Fassung | Länge
Serbien, USA 2024 | OmU | 73 Min.
Experimentalfilm
Wann
So 28.12., 19:00
So 04.01., 17:00
Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg
Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt)