Kurdische Perspektiven: Film, Kultur & Debatten

 

Das erste kurdische Festival im Kommunalen Kino in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Verein Avesta e.V. – neu gegründet von engagierten jungen Kurd*innen und Nicht-Kurd*innen in Freiburg.
Das dreitägige Programm bietet ein breites, vielfältiges Spektrum. Das Filmprogramm umfasst politische Dokumentationen, kulturelle Einblicke aus den verschiedenen kurdischen Regionen (Türkei, Iran, Irak, Syrien) sowie filmische Perspektiven auf das Leben in der Diaspora. Besonderes Augenmerk liegt auf dem differenzierten Blick auf das kurdische Leben im Nahen und Mittleren Osten inmitten der dortigen komplexen politischen Gemengelage.

Die kurdischen Regionen spielen historisch wie aktuell eine tragende Rolle bei gesellschaftlichen Umbrüchen. Dies zeigte sich zuletzt auch bei der Frauenbewegung im Iran: Die anhaltenden Proteste begannen in den kurdischen Städten Saqqez und Sanandaj am Abend der Beerdigung von Jina Amini. Der kurdische Slogan „Jin, Jiyan, Azadî“ wurde zum zentralen Slogan der gesamten Protestbewegung. Ergänzend sind Publikumsgespräche mit geladenen Gästen sowie Beiträge zu kurdischer Kunst, Literatur und Live-Musik geplant, um ein facettenreiches Programm zu bieten.

 Zur feierlichen Eröffnung des ersten Kurdischen Filmfestivals spielt der kurdische Musiker Hozan Axîn die traditionelle Saz begleitet von Gesang. Anschließend zeigen wir den preisgekrönten Kurzfilm DANCING AMID FIRE, RISING ABOVE RUINS der kurdisch-iranischen Regisseurin Essmat Sophie, der sich mit den Themen Trauma, Krieg und weiblichem Widerstand befasst. Den Hauptfilm des Abends bildet der Stummfilm ZARE, der 1926 unter der Regie des armenischen Filmpioniers Hamo Beknasarjan entstand und live von Barbara Lenz am Klavier begleitet wird. Der Film gilt als einer der ersten Filme überhaupt, die das Leben kurdischer Menschen darstellen. Im Zentrum der Handlung steht die dramatische Liebesgeschichte zwischen der jungen Zare und dem Hirten Seydo, die auf den Hängen des Berges Alagjas um ihr gemeinsames Glück kämpfen. Dabei gerät das Paar ungewollt in die gefährlichen Machtspiele eines lokalen Stammesführers und der zaristischen Behörden.

AUFTRITT: HOZAN AXÎN

Hozan Axîn ist ein zeitgenössischer kurdischer Sänger und Songwriter, der die reiche Musikkultur seiner Herkunftsregion mit modernen musikalischen Ausdrucksformen verbindet. Mit seinen Songs setzt er sich mit der Verbundenheit zur Heimat, den Erfahrungen in der Diaspora und dem unermüdlichen Streben nach Selbstbestimmung ein. 

ZARE

Der Film ԶԱՐԵ / ZARE, der Ende 1926 produziert wurde, war der zweite armenische Stummfilm überhaupt. Genau wie der erste, NAMUS, wurde er von dem Kinopionier Hamo Beknazarian (1891-1965) geschrieben und inszeniert. Der Film, eine Mischung aus Thriller und Melodram, spielt im Jahr 1915 an den Hängen des Berges Alagyaz und erzählt die Geschichte eines kurdischen Mädchens namens Zare und ihres Geliebten Saydo, die unfreiwillig in die Machenschaften des Stammesführers Timurbek mit den zaristischen Behörden verwickelt werden. Der Film gilt auch als einer der ersten Filme, der das Leben kurdischer und jesidischer Menschen darstellt.

Davor Kurzfilm: DANCING AMID FIRE, RISING ABOVE RUINS

Wann
Fr 02.10., ab 18:00, mit dem kurdischen Musiker Hozan Axîn, im Anschluss Stummfilm mit Live-Musik, am Klavier: Barbara Lenz

Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg

Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt)

A HAPPY DAY

Was bedeutet es, jung zu sein, Träume zu haben – und gleichzeitig zu wissen, dass die eigene Zukunft ein Ablaufdatum besitzt? Dieser existenziellen Frage widmet sich der norwegisch-kurdische Regisseur Hisham Zaman in seinem melancholischen und doch seltsam leichtfüßigen Film A HAPPY DAY. Tief im Norden Norwegens liegt ein isoliertes Asylzentrum für unbegleitete Minderjährige. Zäune braucht es hier nicht, die unbarmherzige Natur aus Schnee und Bergen ist Barriere genug. Mittendrin stecken die drei unzertrennlichen Teenager Hamid, Aras und Ismail. Ihr Alltag ist ein fragiles Konstrukt: Sobald sie 18 Jahre alt werden, droht die sofortige Deportation. Um dem staatlichen System zuvorzukommen, planen sie die Flucht durch die eisige Bergwelt.

Wann
Fr 02.10., 21:00

 Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg

Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt)

HEMO

Hemo ist syrischer Bauer und verdient sich seinen Lebensunterhalt mühsam auf den Feldern, in einem Land, das noch immer die Narben des Krieges trägt. Eines Tages erreicht ihn ein unerwartetes Angebot: Er soll in einem Film mitspielen und ausgerechnet die Rolle des Feindes, dem er Jahre zuvor während des Widerstands von Kobani 2015 gegenüberstand, übernehmen. Der Dokumentarfilm begleitet Hemo bei dem Dreh, der für ihn weit mehr als ein Schauspieljob ist.

Wann
Sa 03.10, 17:00

 Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg

Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt)

VARTINÎS

Der Dokumentarfilm von Mehmet Ömer Biçer erzählt vom Massaker von Vartinîs am 3. Oktober 1993 in Muş. Neun Mitglieder der Familie Öğüt, darunter sieben Kinder, wurden in ihrem Haus lebendig verbrannt. In seinem Film beleuchtet Biçer die Folgen dieses Verbrechens und den langen Kampf der Angehörigen um Gerechtigkeit.

Wann
Sa, 03.10., 18:00, zu Gast: Hafit Öğüt, Fethi & Bahrettin Elçi

 Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg

Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt)

MEIN VATER, DER GASTARBEITER

Der kurdische Regisseur Yüksel Yavuz erzählt in einem autobiographischen Dokumentarfilm vom Leben seines Vaters, der von 1968 bis 1984 als sogenannter Gastarbeiter auf einer Hamburger Werft arbeitete. Nie wirklich heimisch geworden, kannte er nur die Wege zur Arbeit, zum Fischmarkt und ins Kaffeehaus. Dem Filmemacher gelingt ein berührendes Zeitdokument, in dem er die persönliche Lebensgeschichte seines Vaters nachzeichnet und mit einem Stück Gesellschaftsgeschichte der BRD verbindet

Davor: Kurzfilm: MORI

Wann
Sa 03.10., 20:00

 Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg

Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt)

HÊVÎ (HOPE)

Der 20-jährige Çeto lebt mit seiner taubstummen kleinen Schwester Zeyno und ihrem Vater Mustafa, der kaum über die Runden kommt, ein ruhiges Leben fernab des Dorfes. In dieser bescheidenen Welt trifft Çeto eines Tages auf dem Rückweg aus der Stadt den Viehhändler Emin und stellt ihn seinem Vater vor. Emin hilft der Familie in den Viehhandel einzusteigen und Çeto glaubt, damit eine Lösung für ihre finanziellen Probleme gefunden zu haben. Doch die neue Vereinbarung bedroht Zeynos geliebte Schafe – ihr einziges Andenken an ihre verstorbene Mutter. Als die Situation eskaliert, stellt Çeto seine Schwester, wenn auch widerwillig, vor eine schwierige Entscheidung.

Wann
Sa 03.10., 21:30

 Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg

Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt)

FOLGE MEINER STIMME (WERE DENGÊ MIN)

In einem fernen kurdischen Bergdorf im Osten der Türkei geraten die alte Berfe und ihre Enkelin Jiyan in Schwierigkeiten, als ihr Sohn und Vater Temo, einziges männliches Mitglied des Haushalts, mit allen anderen jüngeren Männern des Dorfes vom türkischen Militär verhaftet wird. Der kommandierende türkische Offizier hatte die Information, dass in jedem Haus des Dorfes Waffen versteckt seien.
Jeder Gefangene kommt frei, sobald die Angehörigen ein Einsehen haben und die versteckten Waffen abgeben. Das Problem ist aber, dass es gar keine versteckten Waffen gibt! Jede Familie sucht nach einer Lösung und so mancher betreibt sein eigenes Geschäft mit den Un-wissenden. Auch Berfe und Jiyan machen sich in ihrer Verzweiflung auf den Weg eine Waffe zu finden, um Temo aus den Händen des Militärs zu befreien. Die Suche nach dieser Waffe wird zur Geschichte eines alten kurdischen Märchens: Zur Geschichte des Fuchses …

Wann
So 04.10., 15:30

 Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg

Eintritt
8,00€ (normal) / 3,00€ (Kinder) / 5,00€ (Begleitperson)

KURZFILMPROGRAMM

Dieses Kurzfilmprogramm vereint eindrücklich Stimmen, die von Flucht, gesellschaftlichem Wandel und dem Kampf um Freiheit im Nahen Osten erzählen. Im Zentrum stehen persönliche und kollektive Traumata, die durch die Linse von Filmemacher*innen aus verschiedenen Ländern der Region beleuchtet werden. Die kurdisch-iranischen Regisseur*innen Farya Younesi und Essmat Sophie richten den Blick auf die verheerenden Folgen staatlicher Repression und die unbändige Kraft des Protests nach der „Frau, Leben, Freiheit“-Revolution. Der re-nommierte irakisch-kurdische Künstler Hiwa K verknüpft in seinen zwei Beiträgen (THIS LEMON TASTES OF APPLES und PRE-IMAGE) die jüngere Geschichte der Autonome Region Kurdistan mit seiner eigenen Fluchterfahrung nach Europa. Die Regisseurin Rojda Ezgi Oral (XWEMALÎ) ergänzt das Programm um eine feinfühlige Coming-of-Age-Geschichte aus der Türkei der 1980er-Jahre.

Wann
So 04.10., 17:30, zu Gast: Ferya Younesi

 Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg

Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt)

TO MY SISTERS

Drei Frauen, drei Entscheidungen: Eine junge Kurdin in Syrien führt eine Fraueneinheit in den Kampf gegen den IS – für Freiheit und Frauenrechte. Gehalten wird ihr Kampf von der Stimme einer jesidischen Überlebenden, die als Kind vom IS versklavt wurde und sichtbar macht, was auf dem Spiel steht, wenn dieser Kampf verloren geht. Und während sie den Horror überlebt hat, schloss sich eine deutsche Frau freiwillig dem IS an – und ist heute den Konsequenzen ihrer Entscheidung ausgeliefert.

Wann
So 04.10., 20:00, zu Gast per Zoom: Faek Falak

 Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg

Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt)