Retrospektive Alexander Kluge

 

Wir nehmen Abschied von Alexander Kluge, der am 25. März 2026 verstorben ist, und feiern sein filmisches Werk mit einer Retrospektive. Als Regisseur, Theoretiker und Autor war er einer der herausragendsten Intellektuellen und Künstler Deutschlands. Darüber hinaus war er ein Erneuerer des deutschen Kinos: Als Mitunterzeichner des Oberhausener Manifests von 1962 rief er das Ende des konventionellen Kinos aus: „Der alte Film ist tot. Wir glauben an den neuen.“ Es war der Aufbruch in ein freies Filmschaffen – kühn, unabhängig und gelöst von kommerziellen Fesseln.

Kluge löste dieses Versprechen ein. Seine Filme verknüpfen dokumentarisches Material mit Fiktion, Politik mit Poesie und Geschichte mit Gegenwart. Im Zentrum seines filmischen Schaffens steht die seismographische Erkundung der deutschen Nachkriegsgesellschaft und der unbewältigten NS-Vergangenheit – meisterhaft umgesetzt in seinem berühmten Spielfilmdebüt ABSCHIED VON GESTERN.

Getrieben von einer unbändigen, niemals versiegenden Neugier blieb Kluge bis ins höchste Alter hinein ein produktiver Geist. Sein monumentales Œuvre umfasste Filme von weniger als einer Minute bis zu neuneinhalb Stunden und tausende von Seiten literarisches, essayistisches und theoretisches Werk. Kluge bekam alle großen Literaturpreise Deutschlands, Filmpreise in Venedig und Cannes sowie den Frankfurter Adorno-Preis für außerordentliche Leistungen in Film, Philosophie und Musik. Bereits 1982 krönte Venedig ihn mit dem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk.

Wir laden Sie herzlich ein, den filmischen Kosmos dieses Ausnahmekünstlers (neu) zu entdecken.

ABSCHIED VON GESTERN

Der Film erzählt die Geschichte der 22-jährigen Anita G., die aus der DDR in die Bundesrepublik flieht, in der Hoffnung auf ein besseres, freieres Leben. Doch statt der erhofften Ankunft beginnt für die junge Frau, die als Kind jüdischer Eltern bereits Verfolgung erlebt hat, eine unstete Odyssee durch die westdeutsche Nachkriegsgesellschaft.

Vor dem Hauptfilm zeigen wir:

BRUTALITÄT IN STEIN, 1961 von Alexander Kluge und Peter Schamoni.

 

Wann
Di 02.06., 19:30, Begrüßung: Neriman Bayram, Einführung: Jörg Später

Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg

Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt)

DIE ARTISTEN IN DER ZIRKUSKUPPEL: RATLOS

Ratlos träumt die Zirkusdirektorin Leni Peickert von einem neuen, politischen Zirkus – einem Ort der Aufklärung und des Engagements. Doch ihre idealistische Vision scheitert an den Realitäten von Wirtschaft, Medien und Macht. Alexander Kluge erzählt diese Geschichte in einer Mischung aus Spielszenen, Dokumenten, Interviews und Reflexionen, die zugleich ein Sinnbild der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft ist.

 

Wann
Di 09.06., 19:30, Einführung: Jörg Später

Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg

Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt)

GELEGENHEITSARBEIT EINER SKLAVIN

Roswitha Bronski, Mutter zweier Kinder, eröffnet eine Abtreibungspraxis, um ihre Familie zu ernähren. Als ein Arzt, an den sie schwierige Fälle verweist, eines „Kunstfehlers“ verdächtigt wird, muss Roswitha ihre Tätigkeit aufgeben. „Gib mir einen Punkt außerhalb der Familie und ich werde die Welt bewegen“, sagt Roswitha, wieder gespielt von Alexandra Kluge. Nun beginnt sie sich politisch zu engagieren: Gegen die angeblich geplante Stilllegung des Betriebs, in der ihr Mann arbeitet.

Vor dem Hauptfilm zeigen wir:

LEHRER IM WANDEL, 1963 von Alexander und Alexandra Kluge

Wann
Mo 15.06., 19:30, Einführung: Studierende der Soziologie

Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg

Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt)

IN GEFAHR UND GRÖSSTER NOT BRINGT DER MITTELWEG DEN TOD

Fasching in der postfaschistischen Gesellschaft, inmitten im Frankfurter Häuserkampf und der Räumung des „Blocks“ in der Schumannstraße mit Unmengen an Polizei und ordentlich „Abriß, Aufbau, Krach“. Zwei Frauen, die eine mit, die andere ohne Koffer, ziehen durch eine wilde Mischung aus Dokumentation und Story. Die eine ist „Beischlafdiebin“ und entwendet den Männern die Portemonnaies, die andere ist eine DDR-Spionin, die nicht Staatsgeheimnisse, sondern die gesellschaftliche Wirklichkeit erforscht. Beide sind irgendwie Nachfahrinnen von Anita G. und Roswitha Bronski.

 

Wann
Di 30.06., 19:30, Einführung: Studierende der Soziologie

Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg

Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt)