resonance | Juni 2017

Denk ich an Deutschland in der Nacht

If I Think of Germany at Night

Regie: Romuald Karmakar
Deutschland 2017 | 105 Min.
Für den DJ Roman Flügel ist seine Arbeit das Schönste, was es gibt, etwas, das er niemals aufs Spiel setzen würde. In Romuald Karmakars neuem Dokumentarfilm geht es um fünf Pioniere der elektronischen Musik, die sich diese zum Lebensinhalt gemacht haben. Der Film beginnt mit einem Stillleben aus elektronischen Geräten: In einer Totalen blicken wir minutenlang auf Kabel, Schaltpulte, Verstärker, Keyboards und „Kontrolleure“, wie Ricardo Villalobos – dem Karmakar bereits 2009 einen Film widmete – die blinkenden Schaltzentralen im Bildhintergrund später bezeichnen wird. Zwischen eloquenten Reflexionen der Musikschaffenden in Interviewpassagen, still beobachteten Arbeitsprozessen im DJ-Heim und Bildern von schwitzenden Mengen bei Raves entspinnt sich langsam und sehr ruhig das selektive Bild einer Musikszene im Wandel.
Als einen riesigen, dicht gewobenen Teppich, dessen Ende man nicht sieht, bezeichnet Ata die aktuelle Szene, deren Ausdifferenzierung seit den 1990er-Jahren zu einer schwer überschaubaren Komplexität geführt hat. Karmakar versucht keinen lückenlosen historischen Abriss, sondern lässt stattdessen seine Bilder und die Protagonist*innen sprechen
DENK ICH AN DEUTSCHLAND IN DER NACHT ist der vierte Dokumentarfilm von Romuald Karmakar über Techno und artverwandte Stile. 196BPM (2002) und BETWEEN THE DEVIL AND THE WIDE BLUE SEA (2005) konzentrierten sich vor allem auf die performativen und körperlichen Aspekte von elektronischer Musik, VILLALOBOS (2009) auf einen Protagonisten der Szene. Mit DENK ICH AN DEUTSCHLAND IN DER NACHT entwirft er das bisher umfassendste und tiefgründigste Bild einer Subkultur, die die letzten Jahrzehnte geprägt hat.