Radiograph of a Family & Once Lake Urmia
Firouzeh Khosrovani, die Tochter eines säkularen Vaters und einer gläubigen Mutter, erzählt die Geschichte ihrer Eltern. Der unternehmungslustige Vater Hossein, ein Radiologie-Student, holt die traditionell aufgewachsene Mutter Tayi in die Schweiz. Dort fühlt sie sich nie so richtig wohl – erst zurück im Iran, in den Jahren der Revolution findet sie zu eigener Tatkraft. Hossein, ein weltlicher Progressiver, hätte lieber in der Schweiz bleiben wollen. Beim Stöbern in den Familienarchiven und durch die geschickte Nutzung ihrer filmischen Ressourcen erzählt Firouzeh Khosrovani von den Unterschieden, die die Eltern voneinander trennen, und spiegelt filigran jene der iranischen Gesellschaft in der Zeit vor und nach der Revolution wider. Als Verankerungspunkt dienen das Haus, indem sie ihre Kindheit verbrachte, und die Veränderungen, die an ihm vorgenommen wurden. Das Familienporträt wird zum Röntgenbild der iranischen Gesellschaft. Für ihren sensiblen, bewegenden und künstlerisch gestalteten Film erhielt Khosrovani auf dem Amsterdamer Dokumentarfilmfestival IDFA den Preis für den besten Langfilm.
davor zeigen wir:
Once Lake Urmia
Eine Minute, zwei Bilder. Mehr braucht dieser Film von Reza Golchin nicht, um ein Requiem für einen sterbenden Riesen zu schaffen. Das erste Bild blickt auf eine Wüste, auf die Umrisse des ausgetrockneten Urmiasee, einer der größten Salzwasserseen in Iran.
Die zweite Einstellung schenkt uns das Wasser zurück. Wir sehen die Leichtigkeit, das Lachen der Schwimmenden. Mit einer schmerzhaften Präzision führt uns dieser Film in nur zwei Bildern das Ausmaß einer ökologischen und menschlichen Katastrophe vor Augen. Ein filmisches Haiku.
Iran 2024 | 1 Min.
Regie: Reza Golchin
Außerdem: Musikperformance „Azadî“
Im Rahmen eines Projektes der Musikhochschule Freiburg zu „Musik und Menschlichkeit“ entstand Ende 2025 die Performance „Azadî“. Zehn Sänger*innen singen hier ein Arrangement des Songs Azadî von Naaz Mohammad (*1998) und werden dabei von Marimba- und Vibraphon begleitet.
Zur Performance wurde ein Video kreiert, das Protestaufnahmen der „Jin- Jiyan, Azadi“- Bewegung in Iran 2022 sowie 2025/2026 zeigt. Außerdem sind Bilder und Tänze von Kurd*innen in unterschiedlichen Kontexten zu sehen. Die wackeligen Handyaufnahmen stellen die Lebensrealität vieler Menschen dar und sollen Sichtbarkeit schaffen, für das was in Kurdistan und Iran passiert.
Der Text des Stückes bezieht sich auf das kurdische Sprichwort: „Jin, Jiyan, Azadî“, das in vielen Freiheitskämpfen gegen patriarchale Strukturen, wie beispielsweise in Rojava und Iran eine Rolle spielt: „Leben, Frauen, Freiheit“. Ohne Frauen gibt es kein Leben, und es gibt keine Freiheit, bis alle Frauen frei sind.
Naaz veröffentlichte ihren Song “Azadî” zwei Wochen vor der Ermordung Jina Mahsa Aminis im September 2022 durch das iranische Regime und verändert daraufhin ihren Songtext: “I will always keep singing it and i will always keep telling the story cause it may never be forgotten. Cause Jinas Story is not new, it´s been happening for many years.” (Naaz, 23.03.2024)
Arrangement: Lilli Eckmann, Anna Unbehauen | Sänger*innen: Suzan- Amira Laiche, Sarah Fatma Cicek, Pia Giesenhagen, Patricia Llopis, Paula Mayer, Lilian Remensperger, Anna Unbehauen, Rebecca Chazarenc, Martha Puschke |Piano: Pia Ellensohn| Video: Anonymous
Iran – Bilder der Freiheit
Regie
Firouzeh Khosrovani
Land, Jahr | Fassung | Länge
Norwegen, Iran, Schweiz 2020 | OmeU, Sprachen: Farsi und Französisch | 78 Min.
Wann
Di 03.03., 19:00, mit Musikperformance „Azadî“
Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg
Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt)