PSYCHOANALYTIKERINNEN STELLEN FILME VOR | Juni 2017

23 - Nichts ist so wie es scheint

23 - Nichts ist so wie es scheint

Regie: Hans-Christian Schmid | Buch: Hans-Christian Schmid | mit August Diehl, Fabian Busch, Dieter Landuris
Deutschland 1998 | 99 Min.
"23" spielt in den 1980er Jahren mit seinen heftigen Auseinandersetzungen um Atomkraft, dem letzten Kräftemessen der großen Machtblöcke, den Anfängen der Personal Computer und des Internets. Weit über eine bloße Hintergrundbebilderung hinaus entwirft Schmid ein genaues und stimmiges Bild dieser Zeit und ihrer Ängste und Hoffnungen, die untrennbar mit der Geschichte der Hauptfigur verbunden sind. Basierend auf einem authentischen Fall erzählt "23" die Geschichte des Hannoveraner Computerhackers Karl Koch, der Ende der achtziger Jahre ums Leben kam. Karl Koch ist 19, als er von zu Hause auszieht, um dem Einfluss seines erzkonservativen Vaters zu entkommen. Nachdem der ebenso sensible wie rebellische junge Mann Robert Wilsons Kultbuch "lluminatus!" gelesen hat, verfällt er zusehends der Vorstellung, die Welt werde vom Geheimbund der "Illuminaten" kontrolliert. Eines Tages werden Karl und sein Freund David von den beiden Ganoven Lupo und Pepe dazu überredet, ihre Hacker-Fähigkeiten zu nutzen, um an geheime Informationen zu gelangen und diese für viel Geld an den KGB zu verkaufen. Diesem Druck ist Karl auf Dauer nicht gewachsen. Er beginnt Drogen zu nehmen und schottet sich immer stärker von seiner Umwelt ab. Seine Wahnvorstellungen über die "Illuminaten" weiten sich zu einer regelrechten Paranoia aus. Schließlich wird ein Sensationsjournalist auf Karl aufmerksam – und wenig später auch die Polizei….Der Film zeigt diese verhängnisvolle Entwicklung ohne Effekthascherei. Und bei aller Zurückhaltung ist "23" ein filmisch virtuoser und bewegender Film über ein junges Leben, das im Getriebe ganz realer Mächte aus den Fugen gerät.