Jüdische Filmtage Freiburg | 11.-18.10.

 

Willkommen zu den Jüdischen Filmtagen Freiburg! Nach dem Vorbild großer Kulturmetropolen wie Berlin und Wien hat sich dieses Festival auch in Freiburg fest etabliert. Als gemeinsame Veranstaltung der Israelitischen Gemeinde und des Kommunalen Kinos Freiburg bringen wir Geschichten auf die Leinwand, die abseits des bekannten Mainstreams liegen.

Wie der Blick durch ein Kaleidoskop eröffnen uns diese Filme immer wieder neue, überraschende Perspektiven. Es ist uns ein großes Anliegen zu zeigen, wie facettenreich jüdisches Leben weltweit ist – verankert in einer reichen Tradition und einer alltäglichen Realität, die in ihrer Vielschichtigkeit weit über jede Vereinfachung hinausreicht.

Im Zentrum des Festivals stehen aktuelle Werke internationaler Stimmen – von etablierten Produktionen bis hin zu den Arbeiten junger Filmemacher*innen. Das Spektrum reicht von der Auseinandersetzung mit historischen Ereignissen wie der Shoah und der jüdischen Diaspora über beeindruckende Biografien bis hin zu gesellschaftspolitischen Fragen der Gegenwart. Sie alle spiegeln die gesamte Bandbreite jüdischer Erfahrung wider.

Das Herzstück unseres Festivals ist jedoch der lebendige Austausch: Viele internationale Regisseur*innen begleiten ihre Filme persönlich nach Freiburg. Nutzen Sie die Gelegenheit, nach den Screenings in den Fragerunden (Q&As) mitzudiskutieren und den gesellschaftlichen Dialog aktiv mitzugestalten.

MARIANA’S ROOM

Czernowitz, Westukraine, 1943: Um ihren 11-jährigen Sohn Hugo vor der Deportation zu bewahren, vertraut die Jüdin Yulia ihn ihrer Jugendfreundin Mariana an. Diese arbeitet als Prostituierte in einem Bordell, in dem deutsche Soldaten ein und aus gehen. Versteckt in einem Wandschrank in Marianas Schlafzimmer, wird Hugos gesamte Wahrnehmung der Außenwelt auf das reduziert, was durch die Wände dringt. Durch ein kleines Guckloch in seinem Versteck erhascht er Einblicke in den Alltag Marianas. Sie wird zu seinem Ein und Alles. Während draußen der Krieg tobt, entwickelt sich zwischen Hugo und Mariana eine innige und zugleich komplizierte Beziehung. Beklemmend zeigt Regisseur Emmanuel Finkiel die Schrecken der Shoah aus dem Blickwinkel eines eingesperrten Jungen, der oft mehr hört als er sieht.

Wann
So 11.10., 11:00

Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg

Eintritt
10,00 € (normal) / 7,00 € (ermäßigt)

MIDAS MAN

Liverpool, 1961: Der junge Brian Epstein besucht einen Auftritt der lokalen Band The Beatles im Cavern Club und ist sofort fasziniert von der Wirkung, die die vier jungen Musiker auf ihr Publikum haben. Obwohl ihm jede Erfahrung im Musikgeschäft fehlt, bietet er der Band an, ihr Manager zu werden, und setzt fortan alles daran, ihnen einen Plattenvertrag zu sichern. Erst nach zahlreichen Rückschlägen gelingt es ihm, George Martin von Parlophone Records zu überzeugen. Damit nimmt die wohl größte Erfolgsgeschichte der Popmusik ihren Lauf. MIDAS MAN erzählt von Brian Epsteins entscheidendem Anteil am Aufstieg der Beatles, aber auch von seinem Leben abseits der Bühne: von den persönlichen Kämpfen eines jüdischen und homosexuellen Mannes im konservativen Großbritannien der 1960er-Jahre.

Wann
Mo 12.10., 19:00, zu Gast: Regisseur Joe Stephenson

Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg

Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt)

COME CLOSER

Die 20-jährige Eden liebt nur einen Menschen bedingungslos: ihren jüngeren Bruder Nati. An seinem 17. Geburtstag will dieser den Abend mit Maya verbringen, seiner Freundin, von der niemand aus seiner Familie weiß. Doch Eden und ihre Freund*innen spielen ihm einen Streich und entführen ihn zu einer Überraschungsparty an den Strand. Als später alle schlafen, macht sich der betrunkene Nati auf den Weg zu Maya und wird von einem Auto erfasst. Er stirbt. Nach Natis plötzlichem Tod gerät Edens Welt aus den Fugen. Getrieben von der Hoffnung, durch die gemeinsame Liebe zu Nati die Erinnerung an ihn lebendig zu halten, begibt sie sich auf eine obsessive Suche nach Maya. Als die beiden aufeinandertreffen, entspinnt sich zwischen ihnen eine komplexe, leidenschaftliche Beziehung.

Regisseurin Tom Nesher etabliert sich mit dieser eindringlichen Coming-of-Age-Geschichte über Liebe und Verlust, inspiriert von einer Familientragödie, als kühne neue Stimme des israelischen Kinos

Wann
Di 13.10., 20:00, zu Gast: Produzentin Estee Mecklberg

Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg

Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt)

THE SMUGGLERS

Michel George El-Raheb besitzt in der Stadt Jaffa eine kleine, arabische Buchhandlung mit Café namens „Yafa Cafe“. Angesichts der drohenden Schließung des Geschäfts bittet er seinen Neffen, den Filmproduzenten Tony Copti, sich mit ihm zusammenzutun. Auf der Suche nach arabischsprachigen Büchern fürs Geschäft erfährt Tony, dass viele der Bücher aufgrund langjährig bestehender Auflagen nicht legal nach Israel eingeführt werden dürfen. Diesen Umstand wollen Tony und sein Onkel nicht hinnehmen: Sie werden zu Buchschmugglern. Was als logistische Herausforderung beginnt, enthüllt nach und nach ein komplexes System, mit dem der Zugang zu Sprache, Wissen und Kultur begrenzt wird. Mit zurückhaltendem Humor entwerfen Tony Copti und Yaniv Berman ein vielschichtiges Porträt von Verlust und Widerstandskraft der arabischen Community in Israel.

Wann
Mi 14.10., 19:00, zu Gast per Zoom: Regisseur Yaniv Berman

 

Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg

Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt) 

THE SEA

Für den 12-jährigen Khaled, der in einem palästinensischen Dorf lebt, ist das Meer unerreichbar – obwohl es nur etwa eine Stunde Fahrtzeit entfernt liegt. Auf einem Schulausflug hat er die Gelegenheit, es zum ersten Mal in seinem Leben zu sehen. Doch als die Klasse einen israelischen Militärkontrollpunkt erreicht, behaupten die Soldaten, seine Genehmigung sei ungültig, und schicken ihn nach Hause zurück, während seine Klassenkamerad*innen ihre Reise fortsetzen. Tief enttäuscht macht sich Khaled auf eigene Faust auf den Weg zum Meer, obwohl er den Weg nicht kennt und kein Hebräisch spricht. So irrt er durch die Straßen von Tel Aviv, sucht orientierungslos nach dem Weg und versteckt sich vor Soldaten. Als sein Vater Ribhi, ein in Israel lebender Arbeiter ohne Papiere, erfährt, dass sein Sohn verschwunden ist, verlässt er seinen Arbeitsplatz, um nach ihm zu suchen – und riskiert dabei, verhaftet zu werden und seine Existenzgrundlage zu verlieren.

Der Film feierte seine Weltpremiere beim Jerusalem Film Festival und gewann fünf Ophir-Preise, darunter den für den besten Film. THE SEA wurde als israelischer Beitrag für die Kategorie „Bester internationaler Spielfilm“ bei den Oscars ausgewählt.

Wann
Do 15.10., 17:00

Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg

Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt)

THE COMMUNITY

Wie geht es den jüdischen Communities in der Ukraine heute – zwischen Bomben und Nazismus-Vorwürfen aus Russland? Eine Bestandsaufnahme aus einem Land, in dem der Krieg die Normalität definiert.

Von dem üppigen jüdischen Leben ist in der Ukraine nach der Shoah, antisemitischen Kampagnen in der Sowjet-Ära und der Ausreisewelle in den 1990er-Jahren nur wenig übriggeblieben. Die verbliebenen jüdischen Gemeinden sind unter dem Druck des russischen Angriffskrieges zusammengerückt, wie die gesamte Gesellschaft. Alex Osmolovsky, selbst ukrainisch-stämmig, kehrt in die Ukraine zurück und dreht dort zwei Jahre lang: die persönliche Beobachtung eines Ausnahmezustands, der mit Resilienz ertragen und mit Leidenschaft gelebt wird. Zwischen den Schatten der Vergangenheit und den Herausforderungen der Gegenwart, zwischen Alltag, Synagoge und dem Dienst in einer jüdischen Einheit der ukrainischen Armee, lassen uns seine Protagonist*innen an der jüdischen Erfahrung in der heutigen Ukraine teilhaben. (Text: Bernd Buder)

Wann
So 18.10., 11:00, zu Gast: Regisseur Alex Osmolovsky

Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg

Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt)