Iran – Bilder der Freiheit

 

 

Das iranische Kino ist ein Kino der Freiheit in einem umfassenden Sinn – formal wie inhaltlich. Es ist ein Kino, das in einem totalitären Land, inmitten von staatlich verordneten, fundamentalistischen religiösen Regeln etwas anderes ins Zentrum der Aufmerksamkeit stellt: den Diskurs, den Disput, die tiefen, existenziellen Fragen des Menschseins. Trotz eines 20-jährigen Berufsverbots und zweifacher Inhaftierung dreht Jafar Panahi seine Filme weiterhin im Untergrund – so auch seinen neuesten Film EIN EINFACHER UNFALL, der im vergangenen Jahr in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde.
Angesichts der erschütternden Ereignisse in Iran und Eingedenk der tausenden Opfer möchten wir mit unserem Schwerpunkt den unbeugsamen Freiheitswillen der Menschen filmisch würdigen. Wir freuen uns besonders, dass einige der Filmemacher*innen persönlich nach Freiburg kommen werden, u.a. auch der Filmemacher Jafar Najafi, dessen existenzielle Bedrohung uns große Sorgen macht: Obwohl er in Iran mit schwersten Repressionen rechnen muss, droht ihm aktuell die Abschiebung aus Deutschland. Die hessische Filmbranche setzt sich bereits mit einer großen Unterschriftenaktion für sein Bleiberecht ein. 

Dieser Monat lädt dazu ein hinzusehen, zuzuhören und gemeinsam mit Filmschaffenden über die aktuelle Lage in Iran zu diskutieren. Das Programm präsentiert u.a. neue Filme zur ‚Frau, Leben, Freiheit‘- Bewegung als auch einfühlsame Dokumentarfilme über eine getrennte Familie (Berlin und Isfahan), die versucht, über das kleine Fenster der Webcam in Verbindung zu bleiben.

SENSITIVE CONTENT

Der experimentelle Kurzfilm SENSITIVE CONTENT von Narges Kalhor nutzt die unzähligen Handyvideos von Iraner*innen der „Woman Life Freedom“-Bewegung als Found Footage und setzt sie in einer klug konzeptionierten Montage zu einem tief bewegenden und brisantem filmischen Dokument zusammen.

FREIHEIT IM HERZEN

Am 16. September 2022 wurde Jina Mahsa Amini von der iranischen Sittenpolizei festgenommen, weil sie ihr Kopftuch falsch trug. Drei Tage später starb sie in Haft. Ihr Tod löste einen Aufschrei aus, auch in Deutschland. Viele Exil-Iranerinnen, die in den 1970er-Jahren vor dem Regime im Iran geflohen sind, zeigten ihren Protest – aber auch Deutsch-Iranerinnen der zweiten Generation wie Jasmin Shakeri, Pegah Ferydoni, Natalie Amiri und Enissa Amani. Gemeinsam gingen sie für die Freiheit ihrer fernen Heimat auf die Straße.

Wann
Di 03.02., 19:00
Sa 14.02., 19:00

Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg

Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt)

WAS HAST DU GESTERN GETRÄUMT, PARAJANOV? (دیروز چه خوابی دیدی پاراجانف؟)

Bis zu acht Millionen Iraner*innen leben in der Diaspora, mit den Lieben daheim sind sie per Skype, Zoom, Whatsapp verbunden, wenn das Internet nicht gerade gekappt wird.
Mitra, Hasan und Faraz unterhalten sich. Über die alltäglichsten Dinge. Über die Erlebnisse des Tages, über zufällige Begegnungen bei einem Spaziergang und über Erinnerungen aus der Vergangenheit. Wir tauchen ein in das intime Universum einer örtlich getrennten Familie, Faraz ist in Berlin, seine Eltern Mitra und Hasan in Isfahan. 4.000 Kilometer trennen sie, die Webcam verbindet sie. Ihre alltäglichen Gespräche führen von harmlosen Angelegenheiten zu tief berührenden, unvermittelt und ohne Aufregung.

Wann
Di 10.02., 19:00
Mi 18.02., 21:00

Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg

Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt)

EIN EINFACHER UNFALL

Vahid wurde vom iranischen Regime ins Gefängnis gesteckt und dort mit verbundenen Augen brutal verhört. Seit seiner Freilassung arbeitet er als Automechaniker. Als eines Abends ein Mann mit Beinprothese seine Werkstatt betritt, glaubt er, in ihm seinen früheren Peiniger wiederzuerkennen. Kurz entschlossen entführt er den Mann und plant, ihn in der Wüste zu begraben. Da er aber das Gesicht des Gefängniswärters nie gesehen hat, beschleichen ihn langsam Zweifel. Vahid fährt nach Teheran zurück, um den Gefangenen ehemaligen Mithäftlingen vorzuführen.

Wann
Mi 18.02., 19:00
Do 26.02., 21:00

Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg

Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt)

Filme von Jafar Najafi

Der iranische Filmregisseur Jafar Najafi wird nach eigenen Worten von den iranischen Revolutionsgarden bedroht. Er erhalte die Drohungen über Social Media, berichtete Najafi auf einer Pressekonferenz vom Film- und Kinobüro Hessen und der AG Dokumentarfilm Hessen. Während seiner Anwesenheit auf dem Iranischen Filmfestival im März in Frankfurt sei seine Wohnung in Teheran durchsucht und sein Filmmaterial über Polizeigewalt gegen die Frau-Leben-Freiheit-Proteste in Iran beschlagnahmt worden. Najafi hatte daraufhin Asyl in Deutschland beantragt, sein Antrag wurde jedoch im Mai abgelehnt. Seine Rechtsanwältin verwies darauf, dass Najafi bei einer Rückkehr in den Iran mit Repressionen rechnen müsse. Die hessische Filmbranche fordert in einem offenen Brief ein Bleiberecht für Najafi:  https://www.film-hessen.de/allgemein/bleiberecht-fuer-den-iranischen-filmregisseur-jafar-najafi-offener-brief-von-filmschaffenden-und-filminstitutionen/

Wann
Mi 25.02., 18:00 zu Gast: Jafar Najafi

Wo
Kinosaal
Kommunales Kino Freiburg
Urachstraße 40
79102 Freiburg

Eintritt
8,00 € (normal) / 7,00 € (5er Karte) / 5,00 € (ermäßigt)

ALONE

Der 14-jährige Amir wird nach dem Tod seines Vaters zum Familienoberhaupt in einem Bergdorf. Trotz seines Alters bestimmt die Tradition, dass er für seine Mutter und 11-jährigen Zwillingsschwestern entscheidet. Als der Witwer seiner verstorbenen Schwester eine der Zwillinge heiraten will, setzt Amir seine Autorität ein. Er kämpft gegen eine veraltete Tradition, die Mädchen ihrer Kindheit beraubt.

ASHO

Asho, ein Hirtenjunge, liebt das Schauspielern und träumt von Hollywood. Neben Schafe hüten und seine Cousine Pari necken ist er ein leidenschaftlicher Filmfan. Er bewundert Jonny Depp, liebt Emma Stone, will jedoch seine zukünftige Braut nicht vor der Kamera sehen. Bis zum großen Durchbruch sind seine Familie, die Landschaft und seine nach Promis benannten Schafe sein Publikum.