HörBar Spezial | September 2015

HÖRBAR SPEZIAL: DER SPEERMANN

Hörspiel-Premiere und Gespräch mit Stephan Krass und Ulrich Lampen

Regie: Ulrich Lampen | Buch: Stephan Krass
Deutschland 2015 | 58 Min.
"Was haben wir falsch gemacht?", fragte Albert Speer 1966 nach der Entlassung aus dem Kriegsverbrechergefängnis seinen engsten Mitarbeiter Rudolf Wolters, der ihm von 1934 bis 1945 bei allen Aufgaben zur Seite gestanden hatte. "Nichts", antwortete dieser. "Wir waren Hitlers Erzbaumeister und wir haben gebaut." In all den Jahren, die Speer in Spandau einsaß, war es Wolters, der dafür sorgte, dass die Aufzeichnungen Speers aus der Zelle geschmuggelt wurden und es dem Häftling Nr. 5 an nichts fehlte: Kaviar, Champagner, Gänseleberpastete, Dunhill-Pfeifen.

An einem Sommerabend des Jahres 1971 diktiert Rudolf Wolters den letzten Brief an Albert Speer, der sich vom Nationalsozialismus losgesagt hat und nun als der 'gute Nazi' in der westdeutschen Schickeria herumgereicht wird. Morgen wird Wolters dem Bundesarchiv in Koblenz neues Material vorlegen. Er fühlt sich und die 'Bewegung' von Speer verraten. Der erfolgreiche Nachkriegsarchitekt Rudolf Wolters, der dem Nationalsozialismus immer treu geblieben ist, wurde nie juristisch belangt.


Stephan Krass, geboren 1951, lebt in Karlsruhe und New York. Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller ist er Essay-Redakteur beim SWR und als Honorarprofessor für literarische Kunst an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe tätig. Seine zuletzt produzierten Hörspiele sind Das grüne Auge von Falun (2013) sowie The Moon Tapes mit Ulrike Haage (2014). Für Ponderabilien (2007) wurde ihm den Hörspielpreis der Akademie der Künste Berlin verliehen.

Veranstalter: Literaturbüro und Kommunales Kino Freiburg in Kooperation mit dem SWR