Mittwochskino & ciné club | September 2015

TIMBUKTU

Regie: Abderrahmane Sissako | Buch: Abderrahmane Sissako Kessen Tall | Kamera: Sofian El Fani | mit Abel Jafri Abdelkrim, Toulou Kiki Satima Kettly Noël Zabo, Hichem Yacoubi etc.
Mali 2014 | OmU | 97 Min.
Die von Mythen umwobene malische Stadt Timbuktu wird von Dschihadisten übernommen, die ihre Regeln der Bevölkerung aufzwingen wollen. Die Beduinen-Familie des Musikers Kidane lebt friedlich in ihrem Zelt, bis ihre Welt aus den Fugen gerät.
Die Menschen verstehen nicht, warum Frauen sich nun verhüllen oder Handschuhe tragen müssen. Oder was schlecht daran sein soll, Fussball zu spielen, zu musizieren und zu singen. Vor allem Frauen sind es, die gegen das Vorhaben der Eindringlinge protestieren und für ihre Würde einstehen. Aber auch die «Islamisten» scheinen sich ihrer Sache nicht immer sicher zu sein. Was als «echter Islam» durchgesetzt werden soll, erweist sich immer mehr als reines Machtgehabe ohne Rücksicht auf fundamentale Werte des Islams.
Abderrahmane Sissako schafft es auf bewegende Weise, dem Fundamentalismus und der kopflosen Gewalt ein zutiefst menschliches Filmgedicht entgegenzuhalten: mit einer Sanftheit, die das Drama, das er betrachtet, erst recht hervorheben.

Abderrahmane Sissako ist am 13. Oktober 1961 in Mauretanien geboren und hat Kindheit und Jugend in Mali verbracht. Er hat zuletzt im Hof seines Vaterhauses den Spielfilm Bamako gedreht. Darin begegnet er der Ausbeutung von IWF und Weltbank in Form eines Gerichts, das mitten im Lebensalltag abgehalten wird und dadurch stärker wirkt als seitenlange Abhandlungen über die Ungerechtigkeiten dieser Welt. Ursprünglich wollte er danach einen Essayfilm über die Ausbreitung des islamischen Fundamentalismus in der Gegend der mythenumwobenen Stadt Timbuktu gestalten, doch nachdem er vor Ort die Steinigung eines ehebrecherischen Paares durch die Extremisten erlebt hatte, entschied er sich dafür, einen Spielfilm zu drehen. Er hat sich bereits vor zehn Jahren in Frankreich niedergelassen und setzt sein Werk fort, dessen Eigenart es ist, die Fiktion und den Dokumentarfilm zu vereinigen, politisch wie auch poetisch zu arbeiten.
Timbuktu hat 2015 sieben des begehrten französischen Filmpreises César gewonnen, die César für den besten Film, die beste Regie, das beste Drehbuch, die beste Kamera, den besten Ton, die beste Montage und die beste Musik.