Italienisches Kino | Juli 2015

BELLUSCONE - WARUM DIE ITALIENER BERLUSCONI LIEBEN

Buch: Franco Maresco | Kamera: Luca Bigazzi, Tommaso Lusena, Irma Vecchio
Italien 2014 | OmU | 90 Min.
Wie konnte ein ehemaliger Möchtegern-Sänger, Multimilliardär und alternder Playboy wie Silvio Berlusconi über Jahre hinweg Italien regieren?
Diese Frage stellt sich der italienische Satiriker Franco Maresco und seine Antwort darauf wurde kurz darauf bei den 71. Filmfestspielen in Venedig frenetisch gefeiert.
Auf ironische Weise berichtet Maresco von der besonderen Liebesbeziehung zwischen Berlusconi und Sizilien – und zeigt dem Zuschauer einen morbiden Mikrokosmos: die Straßenfeste Palermos. Hier tummeln sich die Stammwähler des „Cavaliere“.

Es sind Marescos schräge Protagonisten, die Berlusconi, in Sizilien nur „Belluscone“ genannt, seine Stimmen sichern: darunter der ambitionierte Konzertveranstalter Ciccio Mira, der dubiose Verbindungen zur Cosa Nostra unterhält, und die Musiker Vittorio Ricciardi und Erik, die dem „Cavaliere“ eigens einen Song gewidmet haben („Ich würde Berlusconi gerne kennenlernen“).
Die Straßen Palermos erscheinen in den Bildern Marescos als mafiöse Parallelwelt, in der eine Hand die andere wäscht – und aus der es kein Entrinnen gibt. Maresco macht in erschreckender Weise deutlich, wie das System der Mafia im Kleinen funktioniert.
Dabei wird Franco Maresco in Belluscone – Warum die Italiener Berlusconi lieben auch selbst zum Protagonisten: als Regisseur, dem bei der Arbeit an seinem Film viele Steine in den Weg gelegt werden.
Diesen humoristischen Verfremdungseffekt nutzt Maresco, um die Anfänge der Karriere Berlusconis auf Sizilien, dessen Werdegang als Politiker und die langjährigen Kontakte des „Cavaliere“ zu berühmt-berüchtigten Mafiabossen nachzuzeichnen.
Belluscone – Warum die Italiener Berlusconi lieben ist eine schonungslose Abrechnung mit Berlusconi, die ihre Wirkung nicht verfehlte: Die Partei des ehemaligen Ministerpräsidenten, „Forza Italia“, versuchte die Ausstrahlung des Films in Italien verbieten zu lassen.