Stummfilm | Dezember 2014

DAS SALZ SWANETIENS

Dzim Svante (Sol' Svanetii)

Regie: Michail Kalatozov | Buch: Sergej Tret'jakov | Kamera: M. Kalatozov, Salva Gegelasvili
UdSSR 1930 | 60 Min.
Ein ungewöhnliches Meisterwerk des sowjetischen Stummfilms, in Georgien entstanden und lange Zeit unter Verschluss geblieben: Das Salz Swanetiens ist das in expressiven Bildern gefilmte Porträt eines abgeschieden in den kaukasischen Bergen lebenden Volkes. Zum Film liegt eine neue Musikbegleitung vor, für die der Komponist und Musikbegleiter Günter Buchwald bei den Bonner Stummfilmtagen mit dem ersten Preis des Beethovenfests ausgezeichnet wurde.
DAS SALZ SWANETIENS ist weder Spiel- noch Dokumentarfilm, sondern eine moderne Hybridform, schwankend zwischen Kulturfilm und Handlungselementen. […] Kalatozov kam es vor allem auf die starken, emotionalisierenden Bilder an, die das Leiden und das harte Leben in dieser Gebirgsregion zeigen das Affektpotenzial des Archaischen und seiner Rituale. Er ordnete die Handlung der visuellen Komposition unter. Zusammen mit seinem Kamerakollegen Salva Gegelasvili fand er eine expressive, avantgardistische Bildsprache, die damals allerdings nur den Moskauer Gleichgesinnten gefallen hat. Der damals in Russland lebende amerikanische Filmkritiker und -historiker Jay Leyda berichtete vom Protest 25 führender Persönlichkeiten Swanetiens, die die dort gezeigten Riten und Bräuche bestritten und lieber die beginnende Modernisierung des Landstrichs im Film gesehen hätten. Die damals übliche öffentliche Diskussion des Films im georgischen Filmstudio führte zum ebenso beliebten wie gefährlichen Vorwurf des "Formalismus" - die ideologische Aussage sei zu schwach und werde von den starken Bildern dominiert. Eigentlich eine zutreffende Diagnose… Der Film verschwand damit 1930 kurz nach der Premiere, die gar nicht genau belegt ist, sogleich wieder von der Leinwand. (Alexander Schwarz)