kino avantgarde | Oktober 2014

LE SANG D'UN POÈTE

Regie: Jean Cocteau | Kamera: Georges Périnal | mit Enrique Rivero, Feral Benga, Pauline Carto nu.a.
Frankreich 1930 | OF | 55 Min.
Ein Gedicht in bewegten Bildern, ein herausragendes Werk der französischen Filmavantgarde der 1920er und 1930er Jahre, das zusammen mit Buñuels "L'age d'or" für Wirbel sorgte. Cocteau fasst, nicht unbeeinflusst vom Surrealismus, in seinem Debütfilm bereits alle Themen zusammen, die er später in "Orphée" und "Das Testament des Orpheus" wieder aufnehmen wird. In
ungewöhnlichen Bildmetaphern zeichnet der Film den Schaffensprozess im Werk des Künstlers, das Zwanghafte seiner Schöpfung, die Flucht vor dem Genius, zweifachen Tod und Auferstehung, aber auch seine letztendliche Vereinigung mit der Muse. In präzisen Bildern, wie sie auch in den
späteren Filmen das Wunderbare, das Unsagbare evozieren, stößt Cocteau zum Unbewussten vor. Die Logik des Traums, das Zusammenbrechen von Zeit und Raum prägen ein Werk von schwebender Poesie.

»Ich benutzte den Film als Vehikel der Poesie, um Dinge zu zeigen, die ich nicht sagen kann. Fachleute bestaunen Dinge, die nur Fehler waren. Der Wert dieses Films liegt in den Fehlern. In unseren Irrtümern sind wir am echtesten. Man muss nur stark genug sein, sie zu Dogmen zu erheben, so dass sie aufhören, Irrtümer zu sein.« (Jean Cocteau)