Lesung und Film mit Ruth Klüger | September 2013 bis November 2013

RUTH KLÜGER: ZERREISSPROBEN
Lesung mit Ruth Klüger

[...] denn Worte bewahren alte Verbrechen
Ruth Klüger
Gedichte waren es, so Ruth Klüger, die ihr geholfen haben, den Holocaust zu überleben. Doch nicht nur Gedichte anderer gaben ihr Halt, sondern auch die eigenen, die sie als junges Mädchen in Auschwitz und danach bis in die Gegenwart hinein verfasste, aber kaum veröffentlichte. Nach dem Krieg beschäftigte sie sich als Literaturwissenschaftlerin zunächst mit fremden Texten. Beim Schreiben eigener Lyrik setzte sie sich immer wieder mit Adornos berühmtem Satz »Nach Auschwitz Gedichte zu schreiben ist barbarisch« auseinander,
um ihn dann doch beiseitezuschieben. Ruth Klüger wird aus ihrem neuen Buch Zerreißproben lesen, in ihm sind ihre zwischen 1944 und heute entstandenen Gedichte versammelt.
Ruth Klüger, 1931 in Wien geboren, wurde als Kind in die Konzentrationslager Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau und Christianstadt verschleppt. Noch kurz vor Kriegsende gelang ihr mit ihrer Mutter die Flucht. 1947 emigrierte sie in die USA und studierte dort Germanistik und Anglistik. Heute lebt sie als Literaturwissenschaftlerin abwechselnd in Irvine/Kalifornien und Göttingen, ihrem zweiten Wohnsitz. Mit ihrer ersten literarischen Veröffentlichung weiter leben fand Ruth Klüger überwältigendes Echo bei Kritik und Publikum. Sie wurde unter anderem mit dem Rauriser Literaturpreis, dem Marie-Luise-Kaschnitz-Preis und dem Theodor Kramer Preis für Schreiben im Widerstand und im Exil ausgezeichnet.
Eine Veranstaltung des Literaturbüros Freiburg, Carl-Schurz-Hauses und der Buchhandlung jos fritz.
» Do 12.09., 20:00 / Peterhofkeller, Niemensstraße / Empfohlene Spende: 8,00/6,00 Euro //

DAS WEITERLEBEN DER RUTH KLÜGER

Regie: Renata Schmidtkunz | Kamera: Avner Shahaf, Heribert Senegacnik, Oliver Indra | mit Ruth Klüger, Percy Angress, Dan Angress, Laurie Angress, Gail Hart, Herbert Lehnert, Sigrid Löffler, Thedel von Wallmoden, Eva Geber
Österreich 2011 | DF | 85 Min.
Es ist eine Sache, den Holocaust überlebt zu haben. Aber es ist eine andere, danach zu fragen, wie sich dieses Leben nach dem Überleben gestaltet hat, und welche Spuren die Erfahrungen von Verfolgung und Todesbedrohung im Leben einer Überlebenden hinterlassen haben. Der Film porträtiert die aus Wien stammende Ruth Klüger vor dem Hintergrund dieser Frage an den Orten, die ihr Leben bestimmt haben: Wien, Kalifornien, Göttingen und Israel.
Ruth Klüger erzählt über ihr Leben im »judenkinderfeindlichen« Wien, über ihre Eltern, ihre eigene Rolle als Mutter von zwei amerikanischen Söhnen, über ihr Frausein und den Umgang mit Gedenkstätten und dem Gedenken. Die Filmarbeit ist auch eine kleine Erkundungsreise, doch niemals eine sentimental journey. Dazu ist Ruth Klüger in ihrem Leben zu weit gereist. Irvine in Kalifornien, Göttingen in Deutschland, Jerusalem und Wien – das sind die wesentlichen Schauplätze, an denen Renata Schmidtkunz in ihrer Dokumentation Das Weiterleben der Ruth Klüger die amerikanische Literaturwissenschaftlerin und Autorin porträtiert hat.
»Renata Schmidtkunz gelingt es, Ruth Klüger nicht nur als hoch geehrte Wissenschaftlerin, viel gelesene Autorin und engagierte Feministin zu zeigen, sondern auch als private Person. Als eine Persönlichkeit, die weiß was sie sagt und dazu steht, die unsentimental und realistisch trotz ihres Alters nach vorn blickt und dennoch die Vergangenheit nicht verleugnet.« (neuewelt.at)