STUMMFILM & FRAUENWAHLRECHT | September 2013

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kreuzten sich die erstarkende Bewegung für das Frauenwahlrecht mit der wachsenden Popularität der bewegten Bilder und beschert uns heute sehr aussagekräftige Eindrücke von der Debatte um die Einführung des Frauenwahlrechts. Mögen die flimmernden Argumente 100 Jahre später Erheiterung und Kopfschütteln auslösen, so bekommt die Betrachtung ungeahnte Brisanz, wenn wir feststellen, dass auch 2013 Frauen – wie Männer – die politische Mündigkeit und Gleichberechtigung abgesprochen wird. Diesmal wird nicht mit dem Geschlecht argumentiert, sondern mit der Herkunft. Bei der Bundestagswahl am 22. September in Freiburg haben 24.000 Freiburgerinnen und Freiburger keine Wahl, da ihr Pass sie als nicht zugehörig ausweist.
Die Regisseurin Kay Sloan geht in ihrer Dokumentation Suffragettes in the Silent Cinema der Frage nach, wie die
Wahlrechtsbewegung der Frauen 1910-1920 im Stummfilm dargestellt wurde, wie die Frauenbewegung das neue Medium zu nutzen wusste und wo sie benutzt wurde. Die Dokumentation und einige Kurzfilme mit Klavierbegleitung sind bewusst eingebettet in einen internationalen Beteiligungs-Kongresses (20.-22.09., www.wahlkreis100.de) in Freiburg, bei dem sich am Wochenende der Bundestagswahl alles um die politische Partizipation von Migrantinnen und Migranten dreht. Nicht nur in der Ausgrenzung, sondern auch in der Strategie gibt es Verbindungen zu entdecken.
Zu Gast: die Filmistorikerin Dr. Andrea Haller (angefragt).
Eine Veranstaltung von Freiburger Wahlkreis 100%, Carl-Schurz-Haus und Kommunales Kino.

SUFFRAGETES IN THE SILENT CINEMA

Regie: Kay Sloan
USA 2003 | engl. OF | 35 Min.
Lange bevor die Filme sprechen konnten, äußerten sich Stummfilme beredt und offen über Geschlechterverhältnisse und -politik. In Suffragettes in the Silent Cinema, hat die Historikerin und Publizistin Kay Sloan rares und wunderbares Filmmaterial zusammengestellt: Es öffnet ein historisches Fenster – wie das Frauenstimmrecht im frühen US-amerikanischen Kino verhandelt wurde.
Frühe Filmemacher – auf beiden Seiten des strittigen Punktes – haben das machtvolle neue Medium effektiv genutzt: um einflussreiche Propaganda und filmische Bilderwelten im Blick auf Frauen zu erschaffen. Suffragettes in the Silent Cinema enthält Ausschnitte aus vielen frühen Filmen, einschließlich A Lively Affair (1912); A Busy Day (1914), mit dem jungen Charlie Chaplin in energisch-heftiger Travestie-Rolle; sowie What 80 Million Women Want (1913): zugunsten des Frauenstimmrechts, mit einer eloquenten Rede der Präsidentin der Women’s Political Union, Harriet Stanton Blatch.