Wiederaufführung des Film des Monats Mai | Juli 2013

VIRGIN TALES

Regie: Mirjam von Arx | Buch: Michèle Wannaz, Mirjam von Arx | Kamera: Kirsten Johnson, Claudia Raschke
Schweiz 2012 | OmU | 87 Min.
Evangelikale Christen rufen die zweite sexuelle Revolution aus: Keuschheit als Gegenbewegung zu Gesinnung und Praktiken der modernen Kultur. So gelobt in den USA bereits jedes achte Mädchen, unbefleckt in die Ehe zu gehen. Die sieben Kinder der Familie Wilson, Gründer der Jungfrauen-Bälle, gehen einen Schritt weiter: Auch geküsst wird erst vor dem Traualtar! Zwei Jahre lang haben die Filmemacherinnen den Wilson-Nachwuchs begleitet und dokumentiert, wie die religiöse Rechte eine junge Generation darauf vorbereitet, eine evangelikale Utopie zu verwirklichen.
In den USA stellen die Evangelikalen etwa ein Viertel der Bevölkerung und bilden damit die stärkste religiöse Vereinigung des Landes. Entsprechend können sich die Evangelikalen Gehör verschaffen, wenn sie die „zweite sexuelle Revolution“ ausrufen: Die gelockerte Moral seit 1968, die Gefahr von Aids, die zunehmende Sexualisierung der Medien und der massiv vereinfachte Zugang zu Pornographie lassen sie um ihren Nachwuchs bangen. Und sie setzen alles daran, ihn vor dem „Feind Sex“ zu beschützen. Zu den bekanntesten Vertretern aus der jüngeren Vergangenheit (und Gegenwart) gehören etwa Sarah Palin, Michele Bachmann oder George W. Bush.
Die Filmemacherin Mirjam von Arx führt dabei ihre Gesprächspartner nicht vor, sondern begegnet den Familienangehörigen mit respektvoller Neugierde und Zurückhaltung. Sie schafft es so, entlarvende Antworten zu bekommen und Einblicke in eine für uns fremde, verstörende Welt zu vermitteln. Ohne Kommentar, mit sparsam und treffend eingesetzter Musik fängt der Dokumentarfilm im Kleinen an und stellt das Phänomen »Keuschheitsgelübde« zunehmend exemplarisch in einen größeren politischen Zusammenhang. Weitere Infos unter: www.virgintales.co