HörBAR - Doppelprogramm | Euthanasie | März 2013

HörBAR - Doppelprogramm | Euthanasie

Patienten als unproduktive Fremdkörper ‒ Der Euthanasie-Vordenker Prof. Alfred Hoche
Feature von Stephan Kuß, SWR2 2009

Der Freiburger Psychiatriedirektor Alfred Erich Hoche war ein umfassend gebildeter Mensch. Ein hochgeachteter Wissenschaftler, vielgefragter Gutachter, ehrenamtlich tätiger Richter und talentierter Stilist. Er veröffentlichte zahllose Essays, Romane, Polemiken, auch Lyrik. Hoche selbst hätte sich fraglos zu jenen Doppelbegabungen gezählt, die mit dem zweifach geschärften Blick des Heilkundigen und des Künstlers auf den Menschen zu blicken vermögen: Anton Tschechow gehörte dazu und Heinar Kipphardt, Arthur Schnitzler, Gottfried Benn, aber auch Alfred Döblin, der bei Hoche promovierte. Hoches schöngeistige Schriften sind heute vergessen. Die Schrift, die ihn berühmt machte, war keine Literatur. Sie erschien 1920: Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens. Ihr Maß und ihre Form. Co-Autor war der Rechtswissenschaftler Karl Binding. Auch er ein hochangesehener Gelehrter.

Und raus bist du/ Et tu es dehors
Dokumentarfilm von Claire Angelini, München 2012 | OmU

Dokumentaraufnahmen geben die Stimmung der Zeit wieder, in der Euthanasie in Deutschland zur Politik wurde. Ausgehend von den Texten des Psychiaters Alfred Hoche, der das menschenverachtende System ersann und propagierte, verfolgt der Film die gesellschaftliche Stellung "anderer" oder fremder Menschen in Frankreich bis in die heutige Zeit. Ein Euthanasie-Opfer, ein Psychiater und eine Angestellte in einer französischen Ausländerbehörde kommen zu Wort. Mit einer Bildmotivik von diskreter Schönheit gelingt es der Regisseurin, diese Themen zu einer einprägsamen Dramaturgie zu verflechten.

Eine Veranstaltung des Literaturbüros Freiburg, Kommunalen Kinos Freiburg und des SWR2.

| Do 14.03. | 20 Uhr | Kinosaal im Alten Wiehrebahnhof | Urachstraße 40 | Doppelprogramm: 8/6 Euro