Mittwochskino: Menschen in Bewegung | Januar 2011 bis Februar 2011

» Geschichten von Menschen, die anderswo beginnen und nach Deutschland führen, sind mittlerweile Bestandteil von Spiel- und Dokumentarfilmen. In den 60er und 70er Jahren gab es kaum Filme von Einwanderern, auch beschäftigte sich der deutsche Film nicht mit dem Thema Migration. Im Film war Deutschland eine kulturell homogene Gesellschaft. Italienische »Gastarbeiter« tauchten in den frühen 60er Jahren nur als Randfiguren in den Ausläufern der Heimatfilm-Welle auf, wo sie mit ihrem südländischen Charme blonden deutschen Frauen den Kopf verdrehten.
Bis in die 80er Jahre hinein war Rainer Werner Fassbinders meisterhaft inszenierter Spielfilm ANGST ESSEN SEELE AUF (1973) die große Ausnahme – ein Film, der sich empatisch dem Thema zuwandte und mit El Hedi ben Salem erstmals im deutschen Kino einen Nordafrikaner in einer Hauptrolle zeigte. Im gleichen Jahr drehte Franco Brusati mit PANE E CIOCCOLATA eine wunderbare Tragikomödie über die Erfahrungen eines italienischen »Gastarbeiters« in der Schweiz, der in Italien als der Migrationsfilm gilt und 1974 den Silbernen Bären in Berlin gewann.
Seit Mitte der 90er Jahre zeichnet sich in Deutschland ein Filmschaffen er zweiten und dritten Generation von Einwanderern ab, das sich selbstbewusst zwischen verschiedenen Welten bewegt und die Bundesrepublik als das Einwanderungsland abbildet, das es nicht sein will.
Mit den Dokumentarfilmen DENK ICH AN DEUTSCHLAND – WIR HABEN VERGESSEN ZURÜCKZUKEHREN von Fatih Akin (Gegen die Wand ) und mein Vater , der Gastarbeiter von Yüksel Yavuz (Aprilkinder ) zeigen wir zwei Werke von Regisseuren der zweiten Generation, die sich auf sensible Weise mit dem vielschichtigen und widersprüchlichen Leben ihrer Eltern als »Gastarbeiter« auseinandersetzen. Fernab des Geredes von Integration und Parallelgesellschaft wird hier das alltägliche Dasein in (mindestens) zwei Kulturen dargestellt.
Wir freuen uns besonders, dass Yüksel Yavuz am 04.02. zur Filmvorführung und Diskussion da sein wird. Ebenso freuen wir uns am 21.01.11. die deutsch-türkische Autorin Emine Sevgi Özdamar zu begrüßen.
In Kooperation mit dem Literaturbüro Freiburg, dem Freiburger Wahlkreis 100% und dem Kulturamt der Stadt Freiburg.
Zur Ausstellung Man hat Arbeitskräfte gerufen – und es kommen Menschen vom 02.12.2010 bis zum 31.01.2011 in der Volkshochschule Freiburg. Ausstellung zur Migrationsgeschichte in Baden-Württemberg und Freiburg von 1955–1973.

ANGST ESSEN SEELE AUF

Regie: Rainer Werner Fassbinder | Deutschland 1973
»Filme müssen irgendwann einmal aufhören, Filme zu sein, müssen aufhören, Geschichten zu sein und anfangen, lebendig zu werden, daß man fragt, wie sieht das eigentlich mit mir und meinem Leben aus.« (Fassbinder, 1974) Eine einsame, ältere Putzfrau ... mehr >>>

EIN NEUES LAND - Eine gezeichnete Migrationsgeschichte von Shaun Tan

Regie: Clemens Hauser | Deutschland 2011
Eine gezeichnete Migrationsgeschichte von Shaun Tan ohne Worte, aber mit Klavierbegleitung. Was bringt einen Menschen dazu alles zurückzulassen, um eine Reise in ein unbekanntes, fernes Land anzutreten, hin zu einem Ort ohne Familie und Freunde, wo alles ... mehr >>>

PANE E CIOCCOLATA - Brot und Schokolade

Regie: Franco Brusati | Italien 1973
Der süditalienische Kellner Nino Garofalo versucht als »Gastarbeiter« in der Schweiz vergeblich, sich gegen Bürokratie und Vorurteile zu behaupten. Er gerät in Konflikt mit der Fremdenpolizei und verdingt sich schließlich als Schwarzarbeiter. Nino kann ... mehr >>>

Doppelprogramm: Wir haben vergessen zurückzukehren - MEIN VATER, DER GASTARBEITER

Regie: Fatih Akin/Yüksel Yavus | Deutschland 1994/2001
Ein stimmungsvoller, sehr persönlicher Dokumentarfilm des berühmten Regisseurs Fatih Akin über seine Familie, die dem Aufruf als »Gastarbeiter« nach Deutschland zu kommen, folgte. Zwei Jahre sollte der Aufenthalt dauern, inzwischen sind es 35 Jahre ... mehr >>>