In Memoriam Swetlana Geier | Dezember 2010 bis Januar 2011

»Für das Übersetzen ist die Vorstellung eines Transports keine zureichende Metapher. Es ist kein Transport, weil das Gepäck niemals ankommt. Mich haben immer die Verluste interessiert. Mich hat das interessiert, was immer jenseits des Neuen, des Übersetzten bleiben muss.« (Swetlana Geier)
Am 7. November starb Swetlana Geier mit 87 Jahren in Freiburg.

DIE FRAU MIT DEN 5 ELEFANTEN

Regie: Vadim Jendreyko | Buch: Vadim Jendreyko | Kamera: Niels Bolbrinker
Deutschland/Schweiz 2009 | OmU | 92 Min.
»Für das Übersetzen ist die Vorstellung eines Transports keine zureichende Metapher. Es ist kein Transport, weil das Gepäck niemals ankommt. Mich haben immer die Verluste interessiert. Mich hat das interessiert, was immer jenseits des Neuen, des Übersetzten bleiben muss.« (Swetlana Geier)
Am 7. November starb Swetlana Geier mit 87 Jahren in Freiburg.

Puschkin, Gogol, Tolstoi, Solschenizyn, Platonov, Belyj, Bunin, Tschukowskaja, Sinjawskij, Afanasjew, Wojnowitsch, Katajew, Bulgakow und Dostojewskij – Meilensteine des von internationalen Preisen gekrönten Lebenswerkes von Swetlana Geier, einer der bedeutendsten Übersetzerinnen der russischen Sprache.

Ihr Leben wurde von Europas wechselvoller Geschichte überschattet: Sie wurde 1923 in der Ukraine geboren, ihr Vater wurde 1938 im Zuge von Stalins Großer Säuberung verhaftet und starb 1939 an den Folgen der Haft. Während der Besetzung der Ukraine arbeitete sie als Dolmetscherin und wurde 1943 mit ihrer Mutter in ein Ostarbeiterlager in Dortmund interniert. Nach dem Krieg ließ sie sich in Günterstal nieder und nahm ein Studium der Literaturwissenschaft und vergleichenden Sprachwissenschaft an der Universität Freiburg auf. In den fünfziger Jahren begann sie ihre übersetzerische Tätigkeit: Den Höhepunkt bilden die Neuübertragungen von Dostojewskijs fünf großen Romanen, den »fünf Elefanten«. – Überdies blickt sie auf vierzig Jahre Lehrtätigkeit an verschiedenen Universitäten zurück. Im Alter von 85 Jahren besuchte Swetlana Geier zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkriegs Orte ihrer Kindheit in der Ukraine.

Der Regisseur Vadim Jendreyko begleitete sie. Der daraus entstandene Film DIE FRAU MIT DEN 5 ELEFANTEN verwebt Swetlana Geiers Lebensgeschichte mit ihrem literarischen Schaffen und spürt dem Geheimnis dieser unermüdlichen Mittlerin zwischen den Sprachen nach.