Deutschlandpremiere - Freiburger Fenster Spezial | März 2020

IRRE - DIE FREIBURGER HILFSGEMEINSCHAFT

Regie: Reinhild Dettmer-Finke | Kamera: Ingo Behring | mit Schnitt: Mike Schlömer
Deutschland 2020 | 80 Min.
Was ist „irre“? Was ist „normal“? Die Langzeitdokumentation von Reinhild Dettmer-Finke (Regie) und Ingo Behring (Kamera) gibt eindrucksvolle Einblicke in den Lebensalltag und das Welterleben von Menschen mit psychischer Erkrankung.

In einer Altbauetage mitten in Freiburg treffen sich regelmäßig Menschen zum Austausch beim „Mittagstisch“ und im „Club 55“ der Freiburger Hilfsgemeinschaft, der zweitältesten Einrichtung für psychisch Erkranke in Deutschland. Die meisten Besucher*innen waren jahrzehntelang immer wieder in der Psychiatrie. In beeindruckender Offenheit sprechen sie von den dort gemachten Erfahrungen, vom Leben mit einer psychischen Erkrankung, ihrem Alltag und von ihrer häufig prekären Lebenssituation.
Viele wurden in jungen Jahren aus der Bahn geworfen, sind dann von der Bildfläche verschwunden und brauchten manchmal Jahre, um sich wieder aufzurappeln.
In den Räumen der Freiburger Hilfsgemeinschaft, einer im Oktober 1970 von engagierten Bürger*innen und Studierenden gegründeten Begegnungsstätte zwischen psychisch „kranken“ und psychisch „gesunden“ Freiburger Bürger*innen, um Inklusion zu leben, finden sie „Heimat“ oder eine „Ersatzfamilie“, wie sie sagen. Heute bietet die FHG neben Mittagstreff und Zuverdienstbereich, ambulant betreutes Wohnen und ein Clubprogramm auch für junge Menschen.

„Irre“ stellt auf einfühlsame Weise psychisch Erkrankte aus unserer Mitte vor. Betroffene erzählen, wie ihre Krankheit plötzlich in ihr Leben tritt. Wie alles aus den Fugen gerät, wie ihre Mitmenschen reagieren und sich Gewohnheiten, Lebenseinstellungen, Ziele verändern.
Welche Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe gibt es heute für Menschen mit psychischer Erkrankung? Wie sind ihre Chancen auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt? Macht unsere Gesellschaft psychisch krank?
Der Film wurde überwiegend mit einer dokumentarisch beobachtenden Kamera nah an den Protagonist*innen gedreht.

Der Film soll helfen Menschen mit psychiatrischer Diagnose und ihre Erkrankung zu verstehen und zur ihrer Entstigmatisierung beitragen. Er möchte dem breiten Publikum zeigen, dass es durchaus menschlich ist „irre“ zu sein.

Die Freiburger Hilfsgemeinschaft e.V. wurde 1970 von Freiburger Bürger*innen und Studierenden mit dem Ziel gegründet, psychisch kranken Menschen ein weitestgehend normales Leben in der Gemeinde zu ermöglichen. Mit der Gründung der Begegnungsstätte Club 55 wollte man die Begegnung zwischen psychisch „kranken“ und psychisch „gesunden“ Freiburger Bürgern – sprich Inklusion - ermöglichen und Isolation, Vereinsamung und Stigmatisierung entgegenwirken.