Mittwochskino | November 2019

HOMMAGE AN DIE LIBANESISCHE FILMEMACHERIN JOCELYNE SAAB
Die libanesische Künstlerin Jocelyne Saab ist eine zentrale Figur des arabischen Kinos. Saab, 1948 in Beirut geboren und Anfang dieses Jahres in Paris verstorben, war in den 1970er Jahren eine der ersten und wenigen Filmemacherinnen des Nahen Ostens. Sie begann ihre Tätigkeit als Journalistin und Kriegsreporterin, u. a. für das französische Fernsehen, und arbeitete in fast allen damaligen Krisenherden des Nahen Ostens und Nordafrikas.
»Jocelyne Saab hat ihre gesamte künstlerische Karriere in den Dienst Benachteiligter gestellt – von Vertriebenen bis hin zu exilierten Kämpfern, im Kriegszustand befindlichen Städten und einer Vierten Welt ohne Stimme. Ihr Werk gründet auf geschichtlicher Gewalt und einem Bewusstsein für die Taten und Bilder, die nötig sind, um diese Gewalt zu dokumentieren, zu reflektieren und ihr entgegenzuwirken.« (Nicole Brenez)
Wir möchten weitere Filme, u. a. Es war einmal Beirut von Jocelyne Saab zeigen, wenn die Filmrechte für Deutschland geklärt sind.

DUNIA

Regie: Jocelyne Saab
Ägypten, Libanon 2006 | OmU | 113 Min.
Nach Abschluss ihres Literaturstudiums in Kairo möchte die 23-jährige Dunia, dem Vorbild ihrer Mutter folgend, Tänzerin werden. Gleichzeitig ist die lebenshungrige Frau fasziniert vom Sufismus und seiner Poesie. Mit dem Schriftsteller Beshir erfährt sie die Freuden der Sinnlichkeit, wobei sie zugleich lernt, mit einer aus ihrer Kindheit stammenden Verletzung umzugehen. Saabs Film konnte wegen seiner brisanten Themen, vor allem wegen der Thematisierung der in Ägypten seit 1997 eigentlich untersagten Mädchenbeschneidung, nur mit Mühen finanziert
werden. Gerade in der Darstellung weiblicher Sexualität und Emanzipation wollte Saab ein bewusstes Zeichen gegen die schon damals fühlbaren konservativen Tendenzen in der muslimischen Welt setzen. Kurz vor dem geplanten Kinostart in Ägypten wurde Dunia – KISS ME NOT ON THE EYES von den Behörden verboten und Saab erhielt Todesdrohungen von Fundamentalisten. Indessen war der bildstarke, auch musikalisch reiche Film weltweit auf Festivals zu sehen und machte Saabs Namen einem breiteren Publikum bekannt. Es ist bis dato
Jocelyne Saabs einziger regulär in Deutschland im Kino ver-liehener Film. In Kooperation mit Amica e. V.