Stummfilm mit Musikbegleitung | Juni 2019

DIE STADT OHNE JUDEN

Regie: Hans Karl Breslauer
Österreich 1924 | 91 Min.
Der satirische Stummfilm „Stadt ohne Juden“ war in den 1920ern nur kurze Zeit in den Wiener Kinos zu sehen. Die Rechte fühlte sich provoziert von den reumütigen Antisemiten, die am Ende ihre Fehler einsehen. Der Film sei ein Kunstwerk, das seine Aktualität nicht verloren habe, sagte Nikolaus Wostry, Sammlungsleiter des Filmarchiv Austria.
Es war einer der wichtigsten Filmfunde der letzten Jahre, auch wenn die Geschichte dieses Fundes klischeebeladener kaum sein kann. Auf einem Flohmarkt in Paris – ausgerechnet! – findet sich zufällig das Band eines verschollen geglaubten Stummfilmes, des 1924 gedrehten Films „Stadt ohne Juden“.
Entstanden nach der literarischen Vorlage von Hugo Bettauer, erzählt der Film eine Geschichte, die einem bekannt vorkommt. Inflation, Arbeitslosigkeit – für alles, was im historischen Wien, das im Film „Utopia“ heißt, schiefläuft, werden die Juden verantwortlich gemacht und vertrieben. Aber – und das ist der bedeutende Unterschied – im Film merken die Einwohner, dass sie einen Fehler begangen haben, wie „verdorft“ ihre Stadt auf einmal ist, wie leer. Selbst der glühendste Antisemit begreift das und wacht schließlich erleichtert auf. Versöhnliches Ende. Alles nur geträumt, zumindest 1924….