80. JAHRESTAG DER NOVEMBERPOGROME | November 2018

DIE FEUERPROBE - NOVEMBERPOGROM

Regie: Erwin Leiser
Deutschland 1988 | 81 Min.
Die Pogrome der Nationalsozialisten im Herbst 1938 gegen jüdische Menschen, jüdische Geschäfte und Synagogen waren offen angekündigt und offiziell geplant. Dennoch verhängten die Nazis ein generelles Foto- und Filmverbot, weshalb nur wenige gefilmte und fotografierte Dokumente dieser Pogrome existieren. Leiser, der 1938 in Berlin lebte, sucht Zeugen dieser Ereignisse: Einige Opfer der Pogrome waren bereit, ihn bei diesem Filmprojekt zu unterstützen, während Beteiligte der Täterseite sich weigerten. Bei den Recherchen stieß Leiser auf bislang unbekannte Aufnahmen, die teilweise in diesem Film zu sehen sind. Der erschütternde Film erinnert an das Leiden der Opfer und warnt gleichzeitig vor einer neuen nazistischen Bewegung heute.

Erwin Leiser wurde am 16. Mai 1923 in Berlin geboren und verließ 1938 im Anschluss an die Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung Deutschland. Die Zeit des Nationalsozialismus überlebte er im Exil in Schweden, wo er als politisch engagierter Journalist, Publizist und Übersetzer wirkte, bis er in die Schweiz umsiedelte, wo er 1996 starb.

In seinen Dokumentarfilmen, wie in „Mein Kampf (1959)“, konfrontierte Leiser die nationalsozialistische Propaganda unter Verzicht auf akzentuierte dramaturgische Interventionen mit ihren realpolitischen Folgen. Durch gründliche Archivrecherchen, sachlich direkten Tonfall und geradlinige Montagestrukturen wurden bereits auf der künstlerischen Ebene von Regie und Schnitt gesellschaftliche Widerstände antizipiert und zu überbrücken versucht. „Eichmann und das Dritte Reich“ (1961), „Deutschland erwache!“ (1968), „Die Feuerprobe – Novemberpogrom“ 1938 (1988) – Nationalsozialismus und Holocaust bildeten die thematischen Eckpfeiler der Filmarbeit Leisers: Filme gegen das (intendierte oder intentionslose) Vergessen. Sie bedeuteten dringend notwendige Bildungsbrücken, die gangbare Wege für eine Auseinandersetzung mit der belasteten Vergangenheit wiesen.

Wir zeigen diesen Film in Kooperation mit dem Gedenkprojekt »Erinnern für die Zukunft – Novemberpogrome 1938«. Am Mi 14.11., um 10:00 bieten wir den Film ebenfalls für Schulklassen an. Anmeldungen unter johanna.metzler@koki-freiburg.de –
bei großer Nachfrage, ist ein neuer Termin für Schulklassen möglich.