DIL LEYLA | April 2018

DIL LEYLA

Regie: Asli Özarslan
Deutschland 2017 | OmU | 71 Min.
Eine junge kurdische Bürgermeisterin wird als Hoffnungsträgerin gefeiert. Doch bald wird die aus Deutschland Zurückgekehrte vom türkisch-kurdischen Konflikt brutal eingeholt.
Leyla Imret, eine kurdische Frau aus Deutschland, ist mit ihren 26 Jahren die jüngste Bürgermeisterin der Türkei. Mit einem Glanzresultat von 81 Prozent wird sie ins höchste Amt von Cizre gewählt, einer mehrheitlich kurdischen Stadt an der Grenze zu Syrien und dem Irak. Die Bevölkerung liebt ihre wiedergefundene Tochter, denn Leyla kam in Cizre zur Welt. Doch nachdem ihr Vater bei einem Gefecht mit dem türkischen Militär getötet worden war, wuchs sie bei ihrer Tante in Bremen auf. Erst nach über zwanzig Jahren kehrt Leyla in ihre kurdische Herkunftsstadt zurück und beschließt, auf ihre eigene Weise das Erbe des Vaters anzutreten. Ihr erstes Ziel als Bürgermeisterin ist es, die vom Bürgerkrieg gebeutelte Stadt zu sanieren und zu verschönern. Bei öffentlichen Auftritten strahlt Leyla große Determiniertheit und Ruhe aus. Doch der Friede ist trügerisch. Als sich die Parlamentswahlen in der Türkei im Juni 2015 ankündigen, spitzt sich die Lage in kurzer Zeit radikal zu. Türkische Soldaten rücken auf, Cizre wird belagert und gerät unter Beschuss.
Mit sensiblem Blick zeigt Dil Leyla, wie die Bürgermeisterin nach einer kurzen, hoffnungsvollen Amtszeit in steigender Angst lebt. Die Filmregisseurin Asli Özarslan muss ausreisen und filmt bei Leylas besorgter Familie in Deutschland weiter, die nur spärlich mit Leyla Kontakt aufnehmen kann. Dieser hochaktuelle Film thematisiert neben dem türkisch-kurdischen Konflikt zudem, wie Angehörige transnationaler Familien weit weg in Deutschland mitleiden, als wären sie vor Ort.