kino avantgarde | September 2017

YUMEN

Regie: Xu Ruotao, Huang Xiang, J.P. Sniadecki
USA,VR China 2013 | 65 Min.
YUMEN spielt in der für chinesische Verhältnisse nahezu verlassenen gleichnamigen ‚Geisterstadt‘ Yumen, einer Stadt, die in der Provinz Gansu im trockenen Nordwesten Chinas liegt. Noch vor 60 Jahren war der Ort eine prosperierende Metropole - die erste chinesische Stadt, in der Öl gefunden und der eine rasante wirtschaftliche Entwicklung vorhergesagt wurde. Sie sollte als Modell dienen, um anderen chinesischen Städten aufzuzeigen, wie man sich von einer zu grossen Landwirtschaftsabhängigkeit befreien kann. Doch schon nach wenigen Jahren ging das Öl zur Neige und die großen Ölgesellschaften verließen die Stadt so schnell wie sie gekommen waren.
Die Filmemacher Huang Xiang, Xu Ruotao und J.P. Sniadecki halten mit ihrem Film YUMEN der aktuell boomenden chinesischen Ökonomie quasi den Spiegel vor, indem sie einen ungeschönten Blick auf die Verlorenen und Vergessenen werfen: YUMEN ist ein gespenstisches, fragmentiertes Märchen, das von hungrigen Seelen, einer rastlosen Jugend, einem umherirrenden Künstler und einer einsamen Frau handelt, die in der Ruinenlandschaft der Stadt nach menschlicher Bindung sowie einer gemeinsamen Vergangenheit suchen. Stilistisch zwischen narrativer Gebärde, Performancekunst und sozialistischem Realismus changierend, schufen die Filmemacher eine simple und zugleich leuchtende Collage, die mit Konventionen spielt und allen Genres trotzt.