Klassik der Moderne | Mai 2017

IM ZEICHEN DES LÖWEN

Le signe du lion

Regie: Eric Rohmer | Buch: Eric Rohmer | mit Jess Hahn, Van Doude, Michèle Girardon, Jean Le Poulain, Jill Olivier, Paul Cravement, Stéphane Audran, Gilbert Bisciglia
Frankreich 1960 | OmU | 103 Min.
Nouvelle Vague : In den Straßen von Paris

Eric Rohmer, der als weit über 80-Jähriger mit Les amours d’Astrée et de Céladon noch im Jahr 2008 seine letzte Regiearbeit und – wie er selbst sagt – sein filmisches Testament in die französischen Kinos brachte, ist der Klassiker in der Gruppe der Nouvelle Vague. Bekannt ist Rohmer vor allem für die schwierigen Amouren und Dreiecksgeschichten, die er in seinem Werk auf eine ihm eigene fast keusche Art seziert. Anders hingegen ist in seinem relativ unbekannten Debütfilm Im Zeichen des Löwen (Le signe du Lion, 1960) nicht die Liebe das zentrale Thema, sondern die Schicksalsfügung, die den erfolglosen Musiker Pierre (Jess Hahn) im sommerlichen Paris auf eine Achterbahnfahrt zwischen Verwahrlosung und geerbten Reichtum sendet. Wie eine klassische griechische Tragödie ist die Geschichte von Fall und Erlösung in fünf Akte unterteilt und entwirft eine geradezu spiritualistische Studie des Helden. In seiner nüchternen Inszenierung und mit seiner modernen Violinmusik wirkt Rohmers Regiedebüt auf den ersten Blick etwas sperrig, liefert jedoch eine bewundernswerte Analyse der menschlichen Not. (critic.de)