Das Kino des syrischen Regisseurs Mohamad Malas | April 2017

Das syrische Kino ist kaum bekannt, sowohl hierzulande als auch in der arabischen Welt. Ähnlich wie im Iran hat sich auch in Syrien eine eigene, stark symbolische und an Metaphern reiche visuelle Sprache entwickelt, innerhalb derer es möglich ist, Systemkritik zu üben. Wir setzen im April unsere Reihe mit Werken Mohamad Malas fort, der bis heute als einer der wichtigsten Regisseure des syrischen Kinos gilt. Sein Œuvre umfasst kurze und abendfüllende dokumentarische und fiktionale Werke, die eine scharfsinnige Chronik Syriens des 20. und 21. Jahrhunderts formen. Besonders freuen wir uns, seinen grandiosen Klassiker Die Nacht und seinen Dokumentarfilm Aleppo, Magams for Pleasure zu zeigen, der Aleppo als eine der wichtigsten Stätten für orientalische Musik zeigt. Es sind Filme gegen das Vergessen.
Alle Filme in arabischer Originalfassung mit Untertiteln. Für Flüchtlinge freier Kinoeintritt!

Zwei Filme von Mohamad Malas: Aleppo, Magams for Pleasure

Auf dem Sand, Unter der Sonne

Regie: Mohamad Malas | Buch: Yussef Ben Yussef
Syrien 1998 und 1999 | OmeU | 84 Min.
ALEPPO, MAGAM FOR PLEASURE
Sheik Sabri Mudallal (83) ist der letzte Meister der Tarab-Rezitaton in Aleppo. Sein Ensemble (turath) gilt als ein orientalisches Orchester, das in Bezug auf den Gesang die musikalische Prozession und die eingesetzten Instrumente, Originalität und Reinheit bewahrt. Für Mudallal drückt diese Art der Aufführung Loyalität zur Gesangstradition aus und erhält die klassische Schule Aleppos, einer der wichtigsten Stätten für orientalische Musik Anfang des 20. Jahrhunderts haben Meister wie Sheik Ali Darwish, Omar AI Batch und Bakri AI Kurdi die ursprünglich religiösen Grundlagen der Ausbildung reformiert. Sheik Sabri Mudallal, ihr Schüler, ist der Zeuge und Bewahrer dieser Richtung. Seine Erinnerungen und Erfahrungen sind eine historische Referenz an seine Vorfahren.
AUF DEM SAND, UNTER DER SONNE
FAWQ AL-RAML, TAHT AL-SHAMS
Ein kurzer Dokumentarfilm über politische Gefangene, die versuchen, mit ihren Erinnerungen klarzukommen. Im Zentrum dieser filmischen Auseinandersetzung über die Folgen der Gefangenschaft steht der Theaterregisseur Ghassan Jbaii. In seinen Stücken setzt er sich mit der Knasterfahrung auseinander und versucht so, sich die Welt draußen wieder anzueignen. Produziert anlässlich des 50. Jahrestages der Erklärung der Menschenrechte.
Syrien 1998 / arabisch mit engl. Untertiteln / 32 Min.
Regie, Buch: Mohamad Malas / Kamera: Pierre Dupoue