Klassik der Moderne | März 2017

AUSSER ATEM

A bout de souffle

Regie: Jean-Luc Godard | Buch: Jean-Luc Godard, François Truffaut | mit Jean-Paul Belmondo, Jean Seberg, Van Doude, Jean-Pierre Melville, Jean-Luc Godard
Frankreich 1959 | OmU | 88 Min.
»Die Story – auf einem Zehn-Zeilen-Exposé von François Truffaut aufgebaut – könnte einem Hollywood-Thriller entlehnt sein: Ein junger Gangster wird auf der Fahrt in einem gestohlenen Wagen von einem Polizisten gestellt und erschießt diesen. Man sucht ihn. Er beschäftigt sich inzwischen mit einer früheren Freundin, die seine Geliebte wird. Inzwischen erscheint sein Bild in den Zeitungen. Jemand sieht ihn mit dem Mädchen. Das Mädchen wird von der Polizei unter Druck gesetzt. Nach einer gemeinsam verbrachten Nacht ruft sie die Polizei an. Zwar warnt sie ihren Freund, der hält sich aber mit einem Bekannten so lange auf der Straße auf, bis die Polizei kommt. Als er den Revolver aufhebt, den der Bekannte ihm zugeworfen hat, glauben die Polizisten, er wolle schießen und erschießen ihn ihrerseits…. Die Frechheit, mit der sich Godard mit der Kamera auf die Straße wagt, ist aber die Voraussetzung für die in die Augen springende Realistik des Films. Godards Kamera scheint wirklichkeitshungrig zu sein. Sie scheint in die schillernde Oberflächlichkeit verliebt zu sein – wie Michel, wenn er, mit dem gestohlenen Wagen über die Chaussee jagend, ausruft: ›J’aime la France!‹« (Jörg Schöning, Neue Filmkunst -resurrected, Edition Text + Kritik, 2016)