Klassik der Moderne | Februar 2017

ORPHÉE

Orphée

Regie: Jean Cocteau | Buch: Jean Cocteau | mit Jean Marais, Marie Déa, Maria Casarès, Francois Périer, Juliette Gréco, Jean-Pierre Melleville
Frankreich 1949 | OmU | 95 Min.
Die "Neue Filmkunst Walter Kirchner" war für das bundesdeutsche Kino in der Nachkriegszeit, was Rowohlts Rotations-Romane für das literarische Leben nach dem Zweiten Weltkrieg waren. So wie "rororo" die Weltliteratur nach Deutschland zurückbrachte, machte die Neue Filmkunst die Westdeutschen mit dem Weltkino bekannt. Hier erschienen die frühen Filme von Bergman und Buñuel, Werke des französischen Kinos der 1940er und 1950er Jahre, Filme von Fellini und Antonioni, Arbeiten der Nouvelle Vague, von Truffaut, Godard und Resnais, aber auch von Autoren der "Dritten Welt". Das KoKi zeigt in loser Folge in der Rubrik "Klassik der Moderne" einen filmischen Ausschnitt aus der engagierten Verleihtätigkeit Walter Kirchners. Ein umfangreicher Katalog mit zahlreichen Abbildungen zum Verleihprogramm begleitet die Retrospektive und ist käuflich an der Abendkasse erhältlich (Neue Filmkunst Resurrected. Der Verleih "Neue Filmkunst Walter Kirchner 1953 - 1975", edition text + kritik, 2016)

Cocteaus Version der Orpheus-Sage spielt im Paris der Gegenwart: Der Dichter Orphée macht die Bekannschaft einer geheimnisvollen "Prinzessin", die für den Tod eines Dichterkollegen verantwortlich zu sein scheint. Ist sie gar ein Todesengel? Tatsächlich verliebt sich die dunkkle "femme fatale" in Orphée, den sie nachts, aus dem Spiegel tretend, auch in dessen Wohnung heimsucht. Als sie erfährt, dass Orphées Frau Euredice schwanger ist, lässt sie sie aus Eifersucht ermorden. Von verschlüsselten Hinweisen aus einem Autoradio geleitet, begibt sich Orphée daraufhin auf eine abenteuerliche Odysee durch den Hades, um die Geliebte ins Leben zurückzuführen…Orphée, jahrzehntelang ein Klassiker der Matinee-Vorstellungen war ein großer Erfolg in den Film-Clubs und Filmkunsttheatern, denen sich Cocteau eng verbunden fühlte.