EUROTOPIA - Das europäische Hinterzimmer | Februar 2017

EUROTOPIA AM THEATER FREIBURG - DAS EUROPÄISCHE HINTERZIMMER

Tatort Europa

90 Min.
Acht international renommierte Künstlerteams werden im Monat März am Theater Freiburg aus unterschiedlichsten Perspektiven die Idee und die Zukunft Europas künstlerisch bearbeiten. Renommierte Theaterregisseure wie Memet Ali Alabora, Milo Rau oder Felicitas Brucker betrachten Europa aus der urbanen Städteperspektive, mit dem veränderten Blick von Außen, aus historisch-wissenschaftlicher Sicht oder als offenes Narrativ, als Raum für Utopien.
Bereits während der Proben im Februar wird die Kammerbühne umgestaltet zum Europäischen Hinterzimmer. Offene Proben, politische Debatten und Künstler- und Publikumsgespräche finden hier einen Raum für Ideen und Austausch. Unter dem Titel TATORT EUROPA übernimmt an drei Abenden das Kommunale Kino das europäische Hinterzimmer. Sehr unterschiedliche Filmbeiträge mit internationalen Regisseuren werden dort gezeigt und gemeinsam mit den Filmemachern diskutiert.

KURZFILMPROGRAMM – EUROPA, WER BIST DU?
Sechs zumeist junge Filmemacherinnen und Filmemacher haben sich der abstrakten Idee Europa sowohl formal als auch inhaltlich sehr unterschiedlich angenähert. Ob dokumentarisch, hybrid oder fiktiv, ob in den Städten, an den Rändern oder außerhalb Europas angesiedelt, die Blicke öffnen ein Gesamtbild des alten Kontinents. Publikumsgespräch zwei Filmemachern im Anschluss an die Filme.

Das Programm:

37°4 S
Viele tausend Kilometer von Europa entfernt liegt die Südseeinsel Tristan de Cunha, britisches Hoheitsgebiet und mit stolzen 270 Einwohnern auch Teil Europas. Das ist der Schauplatz der Liebesgeschichte zwischen den Teenagern Nick und Anne. Während Anne sich entscheidet nach England zu gehen, möchte Nick die Insel nicht verlassen. Dieser, in Cannes ausgezeichnete Film, tastet sich mühelos an große Fragen der Adoleszenz heran, ohne dabei den Menschen, der Insel und dem Leben die Geheimnisse zu nehmen. Vordergründig verweist Adriano Valerio auf einen Ort, der außerhalb Europas und außerhalb der Zeit scheint und macht gleichzeitig klar, dass wir uns mitten in Europa und mitten in unserer Gegenwart befinden.

Adriano Valerio – Frankreich / Italien – 12 min – Spielfilm


MINIYAMBA (Walking Blues)
Der Film erzählt vom afrikanischen Exodus, der unmenschlich ist und dessen Gründe in den meisten europäisch-zentrierten Erzählungen in den Hintergrund geraten. Unsere Aufmerksamkeit wird auf multiple Grenzen gelenkt, die zwar nicht auf dem europäischen Kontinent, aber durchaus europäisch sind – zwischen den künstlich gezeichneten Nationalstaaten in Afrika. In diesem Film haben die Menschen auf der Flucht eine Stimme und erinnern an die Würde des Menschen und die Kraft der Musik.

Luc Perez, Frankreich / Dänemark - 15 min – Animation


LAUKÜLA KOIT (Koit from Laküla)
Koit, eine alte Frau auf dem estnischen Land erzählt von ihrer Sicht auf die Dinge. Von ihrem Herkunftsland am Rande Europas, die Dimension Zeit wird neu vermessen. In Koits Alltag vermischt sich die persönliche Erinnerung mit den großen historischen Ereignissen in der Geschichte des kleinen Landes. Die stille, ethnografische Beobachtung eines Lebens am Rande Europas.

Maria Kivirand & Robi Uppin – Estland 2012 – 5 min – Dokumentarfilm


DIE KAKERLAKE (The Cockroach)
Mit Die Kakerlake hat Ganoff eine intelligente Komödie geschaffen, die mit kulturellen Klischees spielt und vieles präzise erzählt: die Begrenztheit von Lebensumständen, der Filmschauplatz als Synonym des Rands von Europa, die Schwierigkeiten des Alltags.

Stephan Ganoff – Deutschland – 17 min – Spielfilm - // Regisseur Stephan Ganoff zu Gast


KOD COSKA (Down on the Corner)
Europa interessiert sich für die Migranten aus Serbien oder Rumänien. Aber was ist mit denjenigen, die geblieben sind. Wie sieht deren Leben aus? Ein Kiosk in Serbien als Mittelpunkt des Lebens. Wie sieht das Leben aus ohne Geld, ohne Arbeit, ohne Perspektiven? Ein ethnografischer Blick auf ein verlassenes Stück Europa.

Corina Schwingruber Ilić & Nikola Ilić – Schweiz / Serbien 2013 – 15 min – Dokumentarfilm // Regisseur Nikola Ilić zu Gast


PROOF
Kennt die Liebe Grenzen? In Europa ist die Frage kompliziert. Seitdem Polen der Europäischen Union beigetreten ist, ist eine Ehe mit einem polnischen Staatsbürger potentiell attraktiv für Menschen, die sich in der EU ein besseres Leben erhoffen. Ein Leben auch ohne Liebe. Dieser generelle Verdacht der Behörden grenzt wahre Liebe ein und zwingt Paare, sich den Prüfungen der Behörden zu stellen. Der Film stellt Textfragmenten aus der Korrespondenz des frisch verheirateten Paares mit der Polizei, dem Grenzschutzes, den Meldeämtern und Sicherheitsagenturen, in der von der Gefährdung der Staatssicherheit die Rede ist, mit den mündlichen Erinnerungen der Paare an die absurden Fragen der Behörden nebeneinander.

Alicja Plachowna-Vasilevska – Polen 2013 – 6 min – Experimentalfilm






LES SAUTEURS – THOSE WHO JUMP am 19. Februar um 18 Uhr
Vom Berg Gurugu blickt man auf die spanische Enklave Melilla an der nordafrikanischen Mittelmeerküste. Afrika und die Europäische Union werden hier durch eine hochgesicherte Grenzanlage, bestehend aus drei Zäunen, voneinander getrennt. In den Wäldern des Bergausläufers leben Geflüchtete, meist aus der Subsahara-Region, die versuchen, diese direkte Landgrenze zwischen Marokko und Spanien zu überqueren. So auch der Malier Abou Bakar Sidibé, der zugleich Protagonist und Dokumentierender in ist. Ein einzigartiger Perspektivenwechsel findet statt, unermüdlich dokumentiert Sidibé seine Lebensrealität am Rande der abgeschotteten Festung Europa. Ein erschütternder Blick von Außen.
Im Anschluss Publikumsgespräch mit Filmemacher Abou Bakar Sidibé.
Am 19.2. in der Kammerbühne


EUROPE, SHE LOVES
Poetische Geschichten von vier Paaren an den Rändern Europas: Siobhan und Terry in Dublin wollen ohne Drogen leben; in Tallinn hofft Veronika, dass sich Harri besser mit ihrem Sohn Artur versteht; Penny will Thessaloniki und den älteren Niko verlassen, um in Italien zu arbeiten; und Juan und Caro in Sevilla, frisch verliebt, denken kaum an die Zukunft. Der Alltag bringt allen ähnliche Probleme und die Beziehungen sind eine Flucht in die Privatheit vor den sozialen und wirtschaftlichen Problemen ihrer Heimatländer. Exzessive Partys und Drogenkonsum sind für alle selbstverständlich, und sie lassen die Kamera an intimen Momenten bis zum Sex teilhaben. Jan Gassmann und Kameramann Ramon Giger gelingt es, eine eindrucksvolle Nähe zu den Paaren aufzubauen und mit wenigen Bildern die Essenz von deren Lebensumständen episodisch zu erfassen. Ein ungewöhnlicher Doku-Fiction-Film über die Menschen in den Randgebieten Europas.
Am 2.3. in der Kammerbühne