ciné club | November 2016

DÄMONEN UND WUNDER

Dheepan

Regie: Jacques Audiard | mit Antonythasan Jesuthasan, Kalieaswari Srinivasan, Claudine Vinasithamby u.a.
Frankreich 2015 | OmU | 115 Min.
"Dheepan, Yalini und Illay sind Tamilen. Ihre Heimatorte gibt es nicht mehr auf Sri Lanka, sie haben alles in den Unruhen des Bürgerkriegs verloren. Yalini die Zivilistin, Illay, das etwa neunjährige Mädchen, das einmal irgendwessen Tochter war. Und Dheepan, der einstige Guerillakämpfer, der nichts mehr hat, für das es sich noch lohnt, in die Schlacht zu ziehen. Nun müssen sich die drei mit einer Banlieue am Rande von Paris zufrieden geben. Mit einer versifften Wohnung, in der keine Tapete halten will, und keiner Aussicht, das alles einmal ändern zu können. Jacques Audiard ("Der Geschmack von Rost und Knochen") , der für "Dheepan" in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde, ist der Regisseur eines ungeheuer physischen Kinos. Yalini ist diejenige, die mit ganzem Körpereinsatz durch die Geschichte marschiert, sich resolut das fremde Kind im Flüchtlingslager schnappt, es später zur Schule schubst und ins Gesicht schlägt, wenn es den Überlebensplan des Trios gefährdet. Sie ist wütend, skeptisch und sieht es, anders als Dheepan, absolut nicht ein, als Migrantin in eine devote Starre zu verfallen, die sie jede beschissene Arbeit, jedes verschimmelte Wohnloch, jede miese Pöbelei dankbar hinnehmen lässt. Ihr drängendes Körperspiel wird von seiner geduckten Bedächtigkeit durchbrochen, ihre physische Präsenz von seiner mimischen Andeutung. Am Ende gibt Audiard seiner Protagonistin Recht. Der Film sattelt vom Flüchtlingsdrama zum Thriller um und wirft seine Akteure zwischen die Systeme, der staatlichen Verfolgung und dem kriminellen Sozialdarwinismus. Audiard, der das Pathos noch nie scheute, taucht diese Apotheose in die staubigen Bilder eines Bodenkrieges." (Birgit Glombitza, Spiegel-Online)