Italienisches Kino | Mai 2011

L’AMERICA

Regie: Gianni Amelio | Buch: G: Amelio, Andrea Porporati, Alessandro Sermoneta | Kamera: Luca Bigazzi | mit Enrico Lo Verso, Carmelo di Mazzarelli, Michele Placido, Piro Milkani, Elida Janushi u.a.
Italien 1994 | OmU | 115 Min.
Zwei elegante Italiener suchen im vom kommunistischen Regime befreiten Albanien für den Vorsitz einer neu zu gründenden Schuhfabrik eine Marionette. Unbedarft bis einfältig soll sie sein, anti-kommunistische Widerstandskämpfer wären ideal. Die neuen ›Herrenmenschen‹ des Kapitalismus durchstöbern elende Gefangenenlager. Hohle Augen, in denen höchstens Funken von Angst aufleuchten, vermitteln eine Ahnung von den hier stattgefundenen Grausamkeiten, die allerdings an italienischen Maßanzügen abprallt. Der Unternehmer Fiore und sein junger, unsympathisch elitärer Gehilfe finden einen alten, verstörten Mann, der allerdings nach einer ersten Unterschrift verschwindet. Yuppie Gino nimmt die Suche in den albanischen Bergen auf, lässt sich bis auf das Bewusstsein »Ich bin Italiener« alles von bettelarmen Albaniern klauen. Der junge Schnösel und der achtzigjährige Spiro machen sich jetzt gemeinsam auf den Heimweg. Bei der Annäherung stellt sich heraus, dass auch Spiro Italiener ist: Als junger Mann desertierte er wie viele andere und tauchte als Albaner unter. Geistig glaubt er sich immer noch in seiner Jugendzeit, will zurück zu seiner Verlobten nach Sizilien.
Wie schon in Gianni Amelios letztem Meisterwerk, »Il ladro di bambini« (Gestohlene Kinder), bringt eine Reise den Figuren existentielle Veränderungen. Gino verliert nicht nur äußerlich seinen Pass, seine Identitäts-Bescheinigung. Der anfangs fürchterlich hochnäsige Italiener gleicht sich immer mehr den von ihm so verachteten Albanern an. Gino versteht nicht nur die Elenden, er wird einer von ihnen, geht in der Masse der Flüchtlinge unter, deren Tragödie auf den überfüllten Schiffen im Hafen von Bari durch die Weltpresse ging.

In Kooperation mit Centro Culturale Italiano.