asian takes: Thailändisches Kino | Januar 2016

CEMETERY OF SPLENDOUR

Regie: Apichatpong Weerasethakul | mit Jenjira Pongpas Widner, Banlop Lomloi u.a.
Thailand, Großbritannien, Frankreich, Deutschland 2015 | OmU | 122 Min.
In einer früheren Schule, jetzt als Klinik genutzt, liegen Soldaten, die an einer mysteriösen Schlafkrankheit leiden. Zwei Frauen, Jenjira und Keng, wachen mit besonderer Sorgfalt über die schlafenden Männer. Keng hat die Fähigkeit, Gedanken und Erinnerungen der Schlafenden zu lesen und mit ihren Angehörigen zu kommunizieren. Ärzte erkunden derweil Möglichkeiten mit Lichttherapie, die unruhigen Träume der Männer zu erleichtern. Als Jen bei einem Soldaten ein Notizbuch mit fremden Schriften und kryptischen Skizzen entdeckt, deutet einiges auf einen Zusammenhang zwischen dem rätselhaften Schlaf-Syndrom der Soldaten und dem mythischen alten Ort, der unterhalb der Klinik liegt, hin.
Traumwandlerisch poetisch bewegt sich der neue Film des international ausgezeichneten, thailändischen Regisseurs Apichatpong Weerasethakul in die Gefilde zwischen Leben und Tod, Schlaf und Wachzustand.

Apichatpong Weerasethakul ist ein mehrfach ausgezeichneter Filmemacher und Künstler und gewann als erster thailändischer Regisseur 2010 die Goldene Palme in Cannes. Seine Geschichten beruhen auf Mythen und Erinnerungen. Die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit existieren bei ihm nicht. Das animistisch geprägte Leben der Einwohner im Norden Thailands, wo der Regisseur lebt und der Film CEMETERY OF SPLENDOUR spielt, ihr Glaube an die Seelenwanderung zwischen Menschen, Pflanzen, Tieren und Geistern sind wiederkehrende Themen von Apichatpong Weerasethakuls Filmen.

Filmkritik aus "filmdienst" 01/2016:
Thailändische Soldaten, die an einer rätselhaften Schlafkrankheit leiden, werden in einer zur Klinik umgewandelten Schule behandelt. Während die Ärzte selbst mit neuester Technik vor einem Rätsel stehen, findet eine Pflegerin mit unkonventionellen Methoden Zugang zu den Schlafenden, was imaginäre Türen zur Geisterwelt, aber auch in die Vergangenheit auftut. In eher angedeuteten als ausformulierten Erzählungen entfaltet der „magische“ Film eine dokumentarisch grundierte Weltsicht, in der das Wunderbare inmitten des durchaus auch politisch konnotierten Alltags aufscheint. Menschen und Götter, Geschichte und Zukunft sind darin metaphorisch-konkret allgegenwärtig. - Sehenswert ab 16.