THOSE WHO GO THOSE WHO STAY

Regie: Ruth Beckermann | Buch: Ruth Beckermann
Österreich 2018 | 93 Min.
Ruth Beckermann verwebt ihr privates und politisches Interesse mit einer allgemeineren Bewegung: Der der Migration, der Wanderung, der Veränderung, der Fremde. Das Unterwegssein als ewiges und zugleich hochaktuelles Moment unserer Welt, erzwungen, freiwillig, zufällig, nicht enden wollend, hoffend, gewalttätig.
Nigerianische Asylwerber in Sizilien, gealterte Emigranten in Paris, die jungen Frauen von Alexandria, der arabische Musiker im jüdischen, gelobten Land, ein zerrissenes, verknotetes, sich auflösendes und wieder neu verdichtetes Gewebe. Neben einem berührenden Dialog mit ihrer Mutter, die sich an die Flucht aus dem Wien von 1938 erinnert oder den Aufnahmen einer verfallenen Synagoge in einem russischen Dorf, legt die Filmemacherin ihr besonderes Augenmerk auf die Gegenwart: Die von Johannes Hammel eingefangenen Bilder von Flüchtlingen, die im italienischen Lampedusa gestrandet sind, bleiben in ihrer Intensität unweigerlich hängen. Einer von ihnen träumt von einer Fußballkarriere beim AC Milan; und doch scheint er zu ahnen, dass er ohne Dokumente von der italienischen Polizei abgeschoben wird. „Wir sind die Ersten von morgen“ prangt es auf einem Plakat, hochgehalten während einer Wahlveranstaltung einer rechtspopulistischen Partei. Zustimmendes Nicken, als der Agitator auf der Tribüne seine bekannten Parolen gegen „die Linken“, die für den „Zuzug“ eintreten, lautstark artikuliert. Auf die absurden Widersprüche zwischen jenen, die aus ihrer alten Heimat flüchten und eine neue finden müssen und jenen, die sich innerlich und äußerlich einkesseln, treffen wir in Those Who Go Those Who Stay immer wieder.
Die alte Frage, ob Dokumentarfilm das unverfälschte Leben einfängt: Man muss sie auch nach Those Who Go Those Who Stay mit einem leisen, aber eindringlichen Nein beantworten. Und doch ist der Zugang neu, atemlos, unberechenbar. Einer, der einmal mehr Beckermann als singuläre Erscheinung in der heimischen Filmlandschaft ausweist. (ray-Filmmagazin)
Ruth Beckermann, geboren 1952 in Wien, arbeitet seit vierzig Jahren als Dokumentarfilmerin, ihr Name steht – weit über die Grenzen Österreichs hinaus – für ein der Realität zugewandtes, politisch ungemein sensibles Kino. Die Filmformen, in denen sich ihre Politik der Bilder manifestiert, sind vielfältig: von “klassischen” Zugängen über essayistische Zeit- und Raumteppiche bis hin zu künstlerischen Tigersprüngen, bei denen das Dokumentarische ins Fiktionale übergeht. (sixpackfilm)
Eine Veranstaltung des Kommunalen Kinos mit dem FREIBURG FESTIVAL 2020 - PERFORMING DEMOCRACY (20. bis 28. Mai)