BERLINALE PREISTRÄGER UND HIGHLIGHTS | RICHTIG LANG - ABTAUCHEN IM KINO

HEIMAT IST EIN RAUM AUS ZEIT

Reihen: BERLINALE PREISTRÄGER UND HIGHLIGHTS | RICHTIG LANG - ABTAUCHEN IM KINO
Regie: Thomas Heise
Deutschland 2019 | 218 Min.
Was bleibt? Biografien hinterlassen Spuren. Die Zeitläufte auch. Wie sich das eine zum anderen verhält untersucht Thomas Heise in Heimat ist ein Raum aus Zeit. Anhand von Dokumenten aus seinem persönlichen Archiv – Briefe, Fotografien, Schulaufsätze, Tagebucheinträge –, von ihm selbst aus dem Off vorgetragen und im Bild zu sehen, zeichnet er die Geschichte seiner Familie über vier Generationen zwischen Wien, Dresden und (Ost-)Berlin nach. Hinzu kommen aktuelle schwarzweiße Aufnahmen der in den Korrespondenzen erwähnten Orte und Landschaften, denen die Zeichen verschiedener Zeiten anzusehen sind: das Arbeitslager in Zerbst, ehemalige NVA-Kasernen, ein Lehrsaal an der Universität, Reihenhäuser in Mainz. Außerdem Erdverwerfungen, Risse im Asphalt, Haufen und immer wieder Bahnhöfe, Züge und Gleise. Erste Lieben, Väter, Mütter, Söhne und Brüder, die Deportation der Wiener Juden, Kriegstote in Dresden, Kunst und Literatur, DDR-Sozialismus und anständig bleiben – anhand von Fragmenten aus einem Speicher persönlicher Erfahrungen, sorgfältig ausgewählt und mit Lücken zusammengesetzt, erzählt Heise nicht weniger als die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert. Ein großer Film, der bleibt.
CALIGARI-Preis der Berlinale, Jurybegründung:
„Risse ziehen sich durch die Landschaften, welche die Kamera betrachtet. Risse ziehen sich durch die Biographien, die anhand von Fotografien und Schriftstücken erzählt werden. Historische Dokumente gewinnen Konturen und werden erlebbar. Geschichte wird hier zu einem Fluß durch ein ganzes Jahrhundert deutscher (Familien)Geschichte, die eine eindringliche Stimme erhält. Der Poesie aus Tagebüchern und Briefen fügt der Regisseur keinen weiteren Kommentar hinzu – er findet Bilder für sie.
Aus dieser Fülle persönlicher Dokumente, wie es sie in Zukunft wohl nicht mehr geben wird, formt Thomas Heise einen eindrücklichen, klarsichtigen und wahrhaft großen Film.“