kino avantgarde

NEW SHORES

Reihe: kino avantgarde
Regie: Jerome Hiler
USA 2014 | 80 Min.
Seit den frühen 1970er Jahren hat der Künstler und Filmemacher Jerome Hiler (geb. 1943) seine einzigartige multimediale künstlerische Praxis verfeinert, die sich der Schaffung sorgfältig gestalteter Werke aus 16-mm-Kino, Malerei und Glasmalerei widmet. Als eine seiner wichtigsten Inspirationsquellen dienen Hiler die frühen Filme des Experimentalfilmers Stan Brakhage. Formal und visuell einzigartig, waren Hilers Filme jahrelang dafür berüchtigt, dass sie mehr besprochen als gesehen wurden. Erst 2012 im Rahmen einer Retrospektive des New York Film Festival und der Whitney Biennale wurden Hilers Filme einem größeren Publikum präsentiert, nachdem er seine Filme jahrelang vor der Öffentlichkeit verborgen hielt und diese meist nur im kleinen privaten Kreis vorführte.

NEW SHORES ist zum Teil eine Aufzeichnung des Umzugs von Hiler und Nathaniel Dorsky nach Kalifornien im Jahr 1972. Hiler verbindet eine Vielzahl von Stilen und Techniken miteinander und stellt intime Szenen meditativen Landschaften, Meereslandschaften und Andeutungen der wechselnden Jahreszeiten gegenüber. Eine ausgedehnte statische Aufnahme einer Rauchwolke, die von einem Schifffahrtsboot aufsteigt, zählt zu Hilers schönsten und eindrucksvollsten Bildern. New Shores ergründet die tiefe Freude an der Entdeckung, die Aufregung und die Angst vor dem Leben und die schmerzhafte Erfahrung, in die Vergangenheit zurückzukehren und zu realisieren, dass man doch nie wieder nach Hause kommen kann. Den Titel des Films übernimmt Hiler aus dem deutschen Film Zu neuen Ufern (1937) [engl. to new shores] seines Idols Douglas Sirk. Hiler: "In diesem Film geht es auch um die Vertreibung, die Jagd nach dem Vergnügen, der allgemeinen Atmosphäre der Inhaftierung zu entfliehen, und um eine endgültige Kapitulation."