LESUNG UND GESPRÄCH DES BUCHES "DIE TRÄNEN DES PROPHETEN"

MIT DEM KURDISCHEN AUTOR YAVUZ EKINCI UND SEINEM ÜBERSETZER OLIVER KONTNY


Wer heute behauptet, er sei ein Prophet, dazu berufen von dem Erzengel Gabriel, der kann nur verrückt sein. Aber wie verrückt sind die, die die Welt so akzeptieren, wie sie ist? Yavuz Ekinci erzählt eine Hiobsgeschichte in modernen Zeiten. Mehdi ist Informatiker. Er lebt in der großen Stadt. Seine Frau ist mit seiner Tochter in die Ferien gefahren, ohne ihn. Und wäre Mehdi in diesen Tagen des Alleinseins nicht der Erzengel Gabriel
erschienen, der ihm verkündete, er sei der Botschafter Gottes, dann wäre sein Leben vielleicht normal weiter gegangen. Aber als er behauptet, ein Prophet zu sein, verlässt ihn seine Frau umgehend. Ihm ist es recht, so kann er ungestört auf weitere Offenbarungen warten. Allein, es
kommen keine. Also macht er sich auf, zieht durch die Stadt und fängt an zu predigen. Aber niemand will auf diesen Verrückten hören, dessen Weltfremdheit so offensichtlich ist. Die Tränen des Propheten erzählt von den Verwerfungen der Menschen, die es schon immer
gegeben hat, von den Grausamkeiten und Verzweiflungen. Aber was ist wahr, was ist der Wahn eines Einzelnen, der sich für den Erlöser hält und zur Umkehr aufruft? Zu welcher Umkehr? Eine Erlösung, das macht dieser wilde, verzweifelte Roman deutlich, wird von den Religionen nicht zu
erwarten sein. Und doch, wer weiß? Vielleicht ist es der Narr, dem die Menschen zuhören, der sieht, was sie wissen, aber nicht sehen wollen.


Yavuz Ekinci, 1979 in Batman/Türkei geboren, beschäftigt sich in seinem literarischen Werk mit dem Leben der Kurden in der Türkei. Nach einem Studium
der Erziehungswissenschaft arbeitet er seit 2001 als Lehrer und belegt derzeit einen Masterstudiengang in Türkischer Sprache und Literatur. Er ist Herausgeber einer Publikationsreihe mit kurdischer Exilliteratur. Ekinci erhielt für seine Veröffentlichungen zahlreiche Preise, darunter den Yunus Nadi Story Award, den Human Rights Association Story Award sowie den Yasar Nabi Nayir Noteworthy Story Award.

Oliver Kontny studierte Philosophie, Geschichte, Iranistik und Turkologie. Seit 2005 ist er als Konferenzdolmetscher und Übersetzer tätig. Sein Hörspiel "Republik der Verrückten" wurde 2014 für den Deutschen Hörbuchpreis nominiert und gewann beim Berliner Hörspielfestival. Er hat u. a. den Krimi-Autor Emrah Serbes übersetzt und das zweite auf Deutsch verlegten Roman "Die Tränen des Propheten" von Yavuz Ekinci.

Eine Veranstaltung von Kommunales Kino e. V. in Zusammenarbeit mit …..