LESUNG UND FILM | MITTWOCHSKINO

LESUNG MIT DER SCHRIFTSTELLERIN ALICE ZENITER

Reihen: LESUNG UND FILM | MITTWOCHSKINO

Die französische Autorin Alice Zeniter beschäftigt sich in ihrem fünften Roman L'art de perdre (Die Kunst zu verlieren; Piper 2019, aus dem Französischen von Hainer Kober) mit der algerischen Seite ihrer Familie. Genauer: mit dem Schicksal der Harki: Jener Algerier, die im Algerienkrieg auf Seiten der französischen Kolonialmacht kämpften. Wie lässt man aus dem Schweigen eine verlorene Geschichte neu erstehen? – Naïma hat es lange nichts bedeutet, dass ihre Familie aus Algerien stammt. Wie soll ihre Verbindung zu einer Familiengeschichte, die sie nicht kennt, denn auch aussehen?
War ihr Großvater wirklich ein »Harki«, ein Verräter? Vielleicht könnte die Großmutter es ihr erzählen, aber nur in einer Sprache, die Naïma nicht versteht. Und ihr Vater, der 1962 nach Frankreich kam, redet nicht über das Land seiner Kindheit ... Um mehr zu erfahren, tritt Naïma eine weite Reise an …
Dieser Roman ist so lebendig wie ein Fresko. Was heißt es, aus einer Familie zu stammen, die über Generationen Gefangene einer
»schlimmen Geschichte« bleibt? Ein Plädoyer für die Freiheit man selbst zu sein, jenseits allen Erbes, aller sozialer oder familiärer Bindungen. – »Unmöglich, von diesem Roman nicht mitten ins Herz getroffen zu sein«. (Le Figaro)

Moderation: Dr. Guillaume Plas, Fremdsprachenlektor am Frankreich-Zentrum der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Übersetzung/Deutsche Lesestimme: Dr. Melanie Fröhlich, Romanisches Seminar, Universität Freiburg.
Mitveranstalter: Centre Culturel Français; Frankreich-Zentrum; Landeszentrale für politische Bildung.

Eintritt: 10,00 Euro, ermäßigt 8,00 Euro; Eintritt Lesung + Film: 12,00 Euro

Anschließend um 21:00
LA ZERDA ET LES CHANTS DE L’OUBLI (La Zerda und die Gesänge des Vergessens)
Regie: Assia Djebar, Buch: Assia Djebar, Malek Alloula, Schnitt: Nicole Schlemmer
| Algerien 1980 | OmU | 60 Min. |
Assia Djebar war die bekannteste Schriftstellerin Nordafrikas. Während einer zehnjährigen Schreibkrise wandte sie sich einem neuen Medium zu und drehte zwei international preisgekrönte Filme: LA NOUBA und LA ZERDA ET LES CHANTS DE L’OUBLI. In LA ZERDA entwirft Assia Djebar ein komplexes Bild der Kolonialgeschichte Algeriens, wobei sie sich besonders auf die Rolle der Frauen in dieser schwierigen Epoche konzentriert. Assia Djebar über das Thema ihres Films, der ersten Regiearbeit einer Frau in der algerischen Filmgeschichte: „In einen völlig unterworfenen und zum Schweigen gebrachten Maghreb strömten Fotografen und Filmemacher, um Aufnahmen von uns zu machen. …Die 'Zerda' ist jenes langsam aussterbende Fest, das sie angeblich bei uns einfangen wollten …“. Die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin und Filmemacherin fügt hier die fremden Blicke der Kolonialherren zusammen - entlarvend, kritisch, bitter. Die von ihr konzipierte Tonspur lässt anonyme Stimmen und Dichtungen erklingen, und „Gesänge des Vergessens“ intervenieren. Anfang der 1980er-Jahre schuf Djebar mit diesem poetischen Filmessay eine neue Art, die algerische Geschichte zu verstehen. Sonderpreis der Berlinale 1983 für den besten historischen Film.
Mi 20.2, 21:00 Mit einer Einführung von Beate Thill (Literarische Übersetzerin, u.a. von Assia Djebar)

Eintritt: 7,00 Euro, ermäßigt 5,00 Euro; Eintritt Lesung + Film: 12,00 Euro