Geister werden

GEISTER WERDEN

1 : PHANTASMAGORIEN IM AVANTGARDEFILM

Reihe: Geister werden

(Vortext)
In Kunst, Philosophie und den Medienwissenschaften wird der Mensch zunehmend als soziales Wesen im Kontext komplexer Materialformationen gesehen. Eine Null-Personen-Perspektive, in der eine radikale Begegnung von Körpern, Gedanken und Materie gedanklich, medial und praktisch realisiert und erlebbar wird, soll herkömmliche dichotome Sichtweisen der Entgegensetzung von Natur/Kultur und die kategoriale Trennung von Mensch/Tier/Ding ergänzen und hinterfragen. In einer solchen Sichtweise sind auch die Dinge »beseelt« und Geister materiell schon längst unter uns.
Die Veranstaltungsreihe »Geister werden« thematisiert diese Zusammenhänge transdisziplinär und transmedial: theoretisch-diskursiv, filmisch und künstlerisch. In Zusammenarbeit mit mbody e.V. (Künstlerische Forschung in Medien, Somatik, Tanz und Philosophie), Universität Freiburg, Hochschule Offenburg. Konzept/Durchführung: Daniel Fetzner und Martin Dornberg
Seminar-Termine: jeweils Donnerstagabend 20 Uhr (Galerie); anschließend: Filmvorführung um 21:30 Uhr (Do, 11.01.; 25.01.; und 08.02.)

1: PHANTASMAGORIEN IM AVANTGARDEFILM
In vielen Experimentalfilmen der 1940er und 1950er Jahre verschwimmen die Grenzen von Psychologie und Spiritismus. In Christopher Maclaines THE END wird der nukleare Blitz zur Metapher der ultimativen Extase einer selbstzerstörerischen technologisch-militärischen Kultur.
Zu Gast: Henning Engelke, Kunstgeschichtliches Institut der Goethe-Universität Frankfurt. Forscht zum US-amerikanischen Experimentalfilm von 1940 bis 1960 und zur Theorie filmischer Räume.
Ausgewählte Filmbeispiele: The End (1953); Christopher MacLaine (35 Min.) – Der Film erforscht den letzten Tag im Leben von sechs verschiedenen Menschen.
Ah humanity (2015); Castaing-Taylor and Paravel (23 Min.) – Basiert auf der Fukushima-Katastrophe, von den drei Filmemachern als apokalyptische Vision der Moderne bezeichnet.
Kaltes Tal (2016); Florian Fischer (14 Min.) – Changierend zwischen ästhetischer und dokumentarischer Form beschreibt der Kurzfilm die Arbeitsabläufe eines Tagebaus, in dem Kalkstein gefördert wird. Kalkstaub legt sich behutsam auf dem Waldboden ab. Eine weiße, sphärische Gegenwelt öffnet sich, die unser ambivalentes Verhältnis zur Natur hinterfragt.
_ diverse Regisseure / Gesamtlänge: ca. 120 Min. / » Do 11. 01., 21:30, Zu Gast: Henning Engelke; Moderation: Daniel Fetzner //