TAG DER DEUTSCHEN VIELFALT | Freiburger Erstaufführungen

HAVARIE

Reihen: TAG DER DEUTSCHEN VIELFALT | Freiburger Erstaufführungen
Regie: Philip Scheffner | Buch: Merle Kröger, Philip Scheffner
Deutschland 93 | OmU | 93 Min.
»Havarie« beleuchtet das Aufeinandertreffen von einem Flüchtlingsboot und einem Luxusliner auf dem Mittelmeer. »93 Minuten, eine Einstellung, die unentwegt ein Boot mit Flüchtlingen im Mittelmeer fixiert.[…] Im Zerdehnen der Zeit, im Insistieren eines Blicks, in der Monotonie der Formen und Farben im Bild entschleunigt der Film den Bilderwahnsinn rund um die sogenannte ›Flüchtlingskrise‹«, so die Begründung der Jury für den ARTE-Dokumentarfilmpreis (2015).
"Auf der Bildebene zieht sich der filmische Raum zu einer einzigen, ungeschnittenen Sequenz zusammen, die sich über die gesamte Laufzeit des Films erstreckt. Es ist die Aufnahme von Terry Diamond, der kurze Youtube-Clip, der den Ursprung für das Projekt HAVARIE gebildet hat, der uns heute wie die Essenz, die Verdichtung der Situation auf dem Mittelmeer erscheint. In Einzelbildern wird das Schlauchboot mit dreizehn Gestalten an Bord zur Ikone der täglichen Nachrichtenbilder, wir sind gezwungen hinzusehen, uns mit der Perspektive (von oben), der Unkenntlichkeit, dem stummen Winken der Leute auf dem Boot auseinanderzusetzen. In der Spiegelung des Wassers und der Verlangsamung des Materials entstehen ‚Geisterbilder‘: Das Schlauchboot scheint sich zu vervielfältigen, sich unserem Zugriff zu entziehen, am Ende verschwindet es sogar aus dem Blickfeld. Und letztlich erspart der Film uns auch nicht den Schwenk auf die eigene Position: das riesige Schiff, Glas und Stahl, die Touristen, die auf den Punkt in der Ferne starren. Wir sind By-Stander. Wir haben uns darin eingerichtet. Der Film HAVARIE macht uns das schmerzlich bewusst." (Der Regisseur Philip Scheffner)
Der reale Funkverkehr zwischen dem Kreuzfahrtschiff, der Zentrale im Hafen von Cartagena, dem Seenotrettungskreuzer und dem Helikopter strukturiert den akustischen Raum des Films. Zu hören sind u.a. der Funkverkehr zwischen dem Kreuzer und der Küstenwache, Touristen, Offiziere oder auch die Kommunikation zwischen einem Seenotrettungskreuzer und einem Hubschrauber. Die Hoffnungen und Ängste aller Beteiligten treffen in dieser tragischen Situation aufeinander.
"Philip Scheffners Dokumentation ´Havarie´ war einer der politischsten Beiträge der diesjährigen Berlinale… “ (programmkino)
"Ästhetisch radikal, inhaltlich eindringlich. Regisseur Philip Scheffner macht in seinem grandiosen Berlinale-Beitrag aus einem YouTube-Seenotvideo ¬ einen politischen Beitrag zur Flüchtlingsproblematik.“ (cinema)