Das Literaturbüro geht - Wir sagen danke

PANS LABYRINTH

Reihe: Das Literaturbüro geht - Wir sagen danke
Regie: Guillermo del Toro | mit: Ivana Baquero, Ariadna Gil
Mexiko, Spanien, USA 2006 | OmU | 119 Min.
Ich denke, es war 2006, meine Zeit als Leiter des Literaturbüros war noch nicht lange vorbei. Spätabends traf ich Kinomitarbeiter Jürgen im Vorraum des Alten Wiehrebahnhofs. Er wollte mir etwas erzählen, aber was ich verstand, war unzusammenhängend. Bis mir klar wurde, dass er versuchte, seine Eindrücke eines gerade gesehen Kinofilms, der ihn schwer beeindruckt zu haben schien, in Worte zu fassen. Es gelang ihm nicht, und das faszinierte mich. Ich dachte, wenn ein Film jemanden sprachlos macht, der schon so unfassbar viele Filme gesehen hatte, dann musste dieser Film etwas wirklich Besonderes sein. Und das ist er, so besonders, dass er mir sofort in den Sinn kam, als ich ich um einen Wunsch für die Leinwand gebeten wurde. Dieser Film ist für mich untrennbar mit vielen schönen Erinnerungen an das Haus und seine Menschen verbunden. Es ist also so: Dieser Film ist großartig, die Erinnerungen an meine Zeit im Alten Wiehrebahnhof sind großartig. Das eine erinnert mich an das andere. Großartiger könnte es kaum sein. Kai Weyand

1944 in einer ländlichen Gegend Nordspaniens: Der francotreue spanische Capitán Vidal kämpft mit seinen Soldaten gegen versprengte Republikaner. Zu ihrem Stützpunkt in einer alten Mühle beordert er seine hochschwangere Frau Carmen zusammen mit der eigentlichen Hauptfigur Ofélia, ihrer Tochter aus erster Ehe. Hier werden die beiden von der Haushälterin Mercedes und dem Arzt des Hauses empfangen, die mit den Widerstandskämpfern sympathisieren. Die Begegnung mit der unberechenbaren Brutalität des Faschismus in der Person Vidals und die uralten dunklen Gemäuer der Mühle bilden den Ausgangspunkt für eine Reise ins Fantastische. Guillermo del Toro, für den Fantasyfilme immer einen politischen Unterton haben, nimmt das junge Mädchen Ofélia ernst und fasziniert «nicht nur wegen seiner visuellen und atmosphärischen Originalität, sondern wegen des tiefen Verständnisses für die verschlungene Wirkungsmacht der Mädchen-Magie» (Barbara Schweizerhof). Del Toro beweist mit dem düsteren Pendant zu «Alice im Wunderland» für Erwachsene, dass er «zu den interessantesten Filmemachern der Gegenwart gehört. Ein Werk, von dem man mit Gewissheit sagen kann, dass es nicht nur zu den bleibenden Werken des Jahres, sondern dieser Dekade gehört (Rüdiger Suchsland).