Nationalsozialismus in Freiburg - Begleitprogramm zur Ausstellung im Augustinermuseum

DER UNTERTAN

Reihe: Nationalsozialismus in Freiburg - Begleitprogramm zur Ausstellung im Augustinermuseum
Regie: Wolfgang Staudte | Buch: Wolfgang Staudte, Fritz Staute | mit: Werner Peters, Diederich Heßling, Blandine Ebinger
DDR 1951 | 96 Min.
Fünf Filme mit Bezug zur NS-Zeit leisten einen weiteren Beitrag zur auslaufenden Ausstellung im Augustinermuseum "Nationalsozialismus in Freiburg"(noch bis zum 8. oktober 2017 zu sehen). Beginnend mit zwei Filmen von Wolfgang Staudte wird gezeigt, auf welchem Boden der Nationalsozialismus gedeihen konnte ("Der Untertan") und welche Hoffnungen es nach dem Krieg auf eine Aufarbeitung gab("Die Mörder sind unter uns"). Dass das lange nicht passiert ist, sondern die alten Seilschaften lange in die junge Bundesrepublik hineintrugen beweist eindrücklich der Film von Lars Kraume aus dem Jahr 2015 ("Der Staat gegen Fritz Bauer"). Die zutiefst verstörende Deportation von Juden aus Paris nach Auschwitz im Jahr 1942 die in einem Film von Gilles Paquet-Brenner beleuchtet wird ("Sarahs Schlüssel") fügt sich wie ein Mahnmal in die Reihe ein, um die Greueltaten des NS-Regimes nicht zu vergessen. Ein weiterer Dokumentarfilm („…dass das heute immer noch so ist“) schildert exemplarisch die Geschichte von Verfolgung und Stigmatisierung sogenannter Asozialer im Nationalsozialismus. In Kooperation mit dem Augustinermuseum (Dank an Maren Heun), dem Feministischen Zentrum und Herrn und Frau Meckel.

Der kleinbürgerliche Aufsteiger Diederich Heßling hat gelernt, nach oben zu buckeln und nach unten zu treten. Er knüpft Beziehungen zu einflussreichen Leuten, die ihm nützen können, für seinen geschäftlichen Erfolg, unter solchen Erwägungen wählt er auch seine nicht sonderlich attraktive, aber reiche Ehefrau aus. Und er nutzt seine Beziehungen zum Regierungspräsidenten von Wulkow, um einen unliebsamen Konkurrenten auszuschalten. Sein größtes Erlebnis ist es, den Kaiser aus der Nähe gesehen zu haben. Eifrig sammelt er für ein Kaiserdenkmal in seiner Stadt. Doch die Einweihung geht in einem tosenden Gewitter unter. Die bitter-wahre Satire von Heinrich Mann muss Wolfgang Staudte beflügelt haben. Hier passt alles zusammen. Großartig der Hauptdarsteller, der diese Untugenden zu leben scheint. “Sachlich sein, heißt Deutschsein“ - man bekommt Schluckbeschwerden. Kameramann Robert Baberske fotografiert die corporierten Saufbrüder durch das verzerrende Bierglas, er lässt die Drillübungen beim Militär sich in der blank geputzten Tuba spiegeln. Die Liebesgeschichte mit Agnes hat Melos und zeigt den Magier Staudte. (Filmportal) Devot gegenüber der Macht, autoritär und herrschsüchtig gegenüber seinen Untergebenen, verkörpert Heßling den Typus des Untertanen, der nicht nur den Ersten Weltkrieg, sondern – nach Staudtes Lesart – auch den Nationalsozialismus überhaupt erst möglich gemacht hat.