ciné club

ELLE

Elle

Reihe: ciné club
Regie: Paul Verhoeven | Buch: David Birke - Produktion: Saïd Ben Saïd, Michel Merkt | mit: Isabelle Huppert, Laurent Lafitte, Anne Consigny, Christian Berkel, Charles Berling, Virginie Efira
Frankreich 2016 | OmU | 131 Min.
Paul Verhoeven erzählt seinen umjubelten Film "Elle", die ebenso doppelbödige wie abgründige Adaption des Romans "Oh…" von Philippe Djian, ganz aus der Perspektive seiner schillernden Heldin. Dass diese vielschichtig und unberechenbar gezeichnete, in Trennung lebende Frau ein durchaus ambivalentes Verhältnis zu Lust und sexueller Gewalt hat, zeigt schon ein Meeting mit ihrer Kreativabteilung, bei dem ein neues, gewalttätiges Video vorgestellt wird. Michèle ist aber auch Opfer einer dunklen Familiengeschichte, denn ihr Vater, ein "Monster" in Menschengestalt, sitzt als verurteilter Mörder seit vielen Jahren im Gefängnis. Auch zu ihrer Mutter und zu ihrem erwachsenen Sohn pflegt sie Beziehungen, die von Hass und schroffer Aggressivität charakterisiert sind. Überdies betrügt sie ihre beste Freundin und Arbeitskollegin Anna (Anne Consigny) mit deren Mann. Es kommt also viel zusammen an familiärem und zwischenmenschlichem Konfliktpotential in Verhoevens rasant und gegen die Erwartungen inszenierter Gesellschaftssatire im Gewand eines Rape-and-Revenge-Thrillers. Dabei spielt Verhoeven routiniert mit Genre-Elementen und legt immer wieder falsche Fährten aus, um den dunklen, unscharf umrissenen Fleck aus Lügen, Begehren und seelischen Wunden zu umkreisen. Isabelle Huppert schafft es den kompletten Film über ihrer Rolle der taffen Businessfrau mit einem scheinbarem Herzen aus Stein aufrecht zu erhalten. Hier zählen nicht die großen Bewegungen sondern die scheinbar unbeabsichtigte kleine Mimik, die eine riesen Welle an Bedeutungen mit sich ziehen. Für ihre fantastische Leistung wurde Isabelle Huppert bereits schon mit dem Golden Globes Award belohnt und steht auf der Liste der Oscar Nominierten 2017.