freiburger film forum

America the Beautiful II:

LONG STORY SHORT & AN INJURY TO ONE

Reihe: freiburger film forum

LONG STORY SHORT
USA 2016 / 45 min / OF
Regie, Montage, Produktion: Natalie Bookchin; Sounddesign: Michael Kowalski; Produktions- u. Rechercheassistenz: Kristine Tomaro

Dieser Film ist ein Destillat aus über 100 Interviews, die die Medienkünstlerin Natalie Bookchin in Obdachlosenheimen, Essenstafeln, Alphabetisierungskursen und Jobcentern in Kalifornien aufgezeichnet hat. Die ProtagonistInnen reden darüber, warum sie arm sind, wie es sich anfühlt und was sie denken, was geändert werden müsste. Was aus diesen individuellen Zeugnissen entsteht, ist jedoch etwas ganz Unerwartetes. Die Bilder werden auf bis zu Passbildgröße verkleinert und reihen sich zahlreich aneinander auf der Leinwand. Die Sprache wird strukturiert und choreografiert und gemeinsam mit den Bildern in eine vielstimmige Partitur verwandelt. Aus Einzelschicksalen formt sich ein Chor, der die Mechanismen der Verarmung unüberhörbar besingt und zu einem Appell der Kollektivität und Solidarität aufschwingt.

AN INJURY TO ONE
USA 2002 / 53 min / OF
Regie, Kamera, Ton, Montage: Travis Wilkerson, Produktion: Up Front Films, Ann Arbor, MI/USA

Bergarbeiterstreik in Butte, Montana, im Revolutionsjahr 1917. Zehntausende haben in den Kupferminen der Anaconda Mining Company bereits ihr Leben gelassen. Die damals radikale Industrial Workers of the World (IWW) beginnt ihren Kampf für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Sicherheit unter Tage. Als ihr Aktivist Frank Little mit flammenden Reden zum Arbeitskampf aufruft wird er einfach brutal gelyncht. Die Täter werden nie ermittelt, viele Gewerkschafter langjährig inhaftiert, Gesetze verschärft, obwohl keinerlei Gewalt von Seiten der Arbeiter ausgeht.
AN INJURY TO ONE ist ein sprachlich, musikalisch und visuell subtil choreografiertes Requiem der Solidarität. Beweismaterial zu den damaligen Vorfällen existiert nicht mehr, die offizielle Geschichtsschreibung lag in Händen der Minengesellschaft. Das rare Bildmaterial - ein paar Fotos und Schmalfilmaufnahmen der Stadt und Minenlandschaft, Zeitungsartikel, Fahndungsfotos von Gewerkschaftern – montiert Travis Wilkerson zusammen und erzählt vom Beginn der Industrialisierung an, mit seiner an keiner Stelle belehrend wirkenden Stimme. Traditionelle miners' songs unterteilen den Film in Kapitel, die Lyrics erscheinen als Text im Bild und Rhythmus der Musik. Viele komplexe Gedankenstränge werden filmisch mit einfachsten Mitteln kongenial umgesetzt. Wilkersons Abschlussfilm an der CalArts (Betreuer: Thom Anderson, Hartmut Bitomski, Billy Woodberry) galt der Zeitschrift 'Film Comment' als einer der besten Avantgardefilme des Jahrzehnts.