Die pakistanische Regisseurin Sabiha Sumar

SILENT WATERS

Khamosh Pani

Reihe: Die pakistanische Regisseurin Sabiha Sumar
Regie: Sabiha Sumar | mit: Kirron Kher, Aamir Malik, Arshad Mahmud, Salma Shahid u. a.
Pakistan 2003 | OmU | 99 Min.
Die pakistanische Regisseurin Sabiha Sumar zeigt in ihrem letztes Jahr in Locarno preisgekrönten Film "Silent Waters", wie sich unter Zia ul Haqq Gewalt und Extremismus sich in der pakistanischen Gesellschaft ausbreiteten.
​​Der 17-jährige Saleem ist arbeitslos, hat viel Zeit, weiß aber nichts mit sich anzufangen. Unterbezahlte Jobs will er nicht, schon gar nicht als Bauer auf Feldern schuften. Da tauchen einige Islamisten im Dorf auf, die tatkräftige Männer suchen ... Wäre der Pakistaner zu einem anderen Zeitpunkt geboren, wäre seine Geschichte sicher eine andere. Doch sie spielt 1979.
Zwei Jahre zuvor hat General Zia ul-Haq die Macht übernommen und die Islamisierung eingeleitet. Und mit der Militärdiktatur geht die liberale Ära zu Ende. Diese Umbruchzeit thematisiert "Silent Waters", der erste Spielfilm einer pakistanischen Frau.
Nach dem 11. September 2001, der Pakistan schlagartig als Unterschlupf und Ausbildungszentrum von Terroristen ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit rückte, liefert Sabiha Sumar einen hochaktuellen Film. Sie erzählt, wie Gewalt, Radikalisierung und Intoleranz in ihrem Heimatland Einzug hielten. Dabei lenkt sie den Blick auf die Basis, das kleine Dorf Chakhi, ein Mikrokosmos für die dramatischen Entwicklungen.
Goldener Leopard und Ökumenischer Filmpreis, Filmfestival Locarno 2003
"Silent Waters" ist ein Kunstwerk, vor allem beweist Sumar darin eine gekonnte psychologisierende Inszenierung ihrer Figuren. Einfühlsam stellt sie dar, wie die islamistische Ideologie wirkt; als Verführung und als zerstörerisches Gift. Gezeigt werden die Mechanismen von Gruppenzwängen und das für Saleem unerträgliche Schamgefühl. (qantara)
Silent Waters ist eine französisch-deutsch-pakistanische Koproduktion und der erste pakistanische Spielfilm von einer Frau. Die Regisseurin Sabiha Sumar hatte ursprünglich einen Dokumentation über die Frauenverschleppungen im Jahr 1947, als sich Pakistan vom indischen Subkontinent abtrennte, im Sinn. Zeitzeugen, die zudem offen vor der Kamera über die Morde, Vergewaltigungen und Verschleppungen im Namen der (männlichen) Ehre berichten wollten, waren jedoch nicht zu finden. So entschloss sich Sumar einen Spielfilm zu drehen, der im Kern von der wahren Geschichte handelt und dessen Hauptfigur Ayesha auf der Vergangenheit einer Zeitzeugin beruht.
Die Regisseurin Sabiha Sumar, geboren 1961 in Karachi, Pakistan, studierte 1980–85 Film und Politische Wissenschaften am Sarah Lawrence College in New York und Internationale Beziehungen an der Universität Cambridge. Ihr erster Spielfilm "Khamosh Pani – Silent Waters" (2003) wurde beim Filmfestival Locarno mit dem Goldenen Leoparden als bester Film ausgezeichnet, es folgten zahlreiche weitere Preise bei internationalen Festivals. Sabiha Sumar ist auch als Produzentin und in der Filmausbildung tätig. Der von ihr produzierte Film Saving Face von Daniel Junge und Sharmeen Obaid-Chinoy wurde 2012 mit dem Oscar für Kurzdokumentarfilme und dem Emmy Award als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.