Mittwochskino | WELTENSAMMLERINNEN

D'EST (AUS DEM OSTEN)

Reihen: Mittwochskino | WELTENSAMMLERINNEN

Frankreich/Belgien 1993 | ohne Dialoge | 115 Min.
In D’EST (1993) begibt sich Akerman von Ostdeutschland über Polen, die Ukraine bis nach Russland immer tiefer in die Unbehaustheit des zerfallenen Kommunismus. Eine Reise, die im Sommer beginnt und im tiefsten Winter endet. Mit D’Est (1993) fängt Akerman Bilder und Stimmungen aus einem gesellschaftlichen Übergang ein: Der Sowjetkommunismus ist zusammengebrochen, aber noch nicht gestorben. Glasnost und Perestroika wurden versprochen, doch die Zukunft ist noch nicht sichtbar. Im Verlauf dieser subjektiven Reise filmt sie „alles, was sie berührt“ und übermittelt Bilder und Klänge, ohne sie zu kommentieren.
Chantal Akerman: "Solange noch Zeit ist, möchte ich eine große Reise durch Osteuropa machen. Durch Russland, Polen, Ungarn, die Tschechoslowakei, die DDR und zurück nach Belgien. Das möchte ich in meinem Stil filmen: eine Dokumentation, die an die Fiktion grenzt. Ich möchte alles filmen. Alles, was mich bewegt." Das Resultat sind einhundertfünfzehn nahezu wortlose Minuten, bestehend aus Bildern, deren leise Melancholie in der Aufzeichnung des Gewöhnlichen an Edward Hopper erinnert. Im behutsamen Wechsel zwischen Bewegung und Stillstand, Lärm und Stille, Innen und Außen, Massen und vereinzelten Individuen, Sommer und Winter, Tag und Nacht schärft Akerman Auge und Ohr für das Detail, für ein genaues Registrieren jener Kleinigkeiten, für das man sich auf den eigenen Reisen selten die Zeit gönnt. Ein Film gegen alle Kategorien, in sich ruhend: D'Est, ein Erfahrungsgeschenk. (Filmmuseum Wien)

Chantal Akerman (1950-2015) hat an die 50 Arbeiten umfassendes Werk geschaffen, das seit 1968 tiefe Spuren in der Geschichte des modernen Kinos hinterlassen hat, radikal, experimentierfreudig, facettenreich und oft autobiografisch grundiert.