DIE SENEGALESISCHE SCHRIFTSTELLERIN KEN BUGUL

Film und Lesung mit der senegalesischen Schriftstellerin Ken Bugul

Film: Ken Bugul - Personne n'en veut

Reihe: DIE SENEGALESISCHE SCHRIFTSTELLERIN KEN BUGUL

Senegal 2015 | OmU | 62 Min.
Ken Bugul wird als eine der hervorragendsten senegalesischen SchriftstellerInnen der französischsprachigen Literatur der letzten Jahrzehnte betrachtet. Ihre Romane sind ein wichtiger und radikaler Bezugspunkt, da Ken Bugul es versteht, auf meisterhafte Weise und in einem ganz eigenwilligen Stil, eine hochliterarische französische Sprache mit den Rhythmen, den Ausdrucksweisen und den gedanklichen Grundstrukturen des Wolof, ihrer Muttersprache, dicht zu verweben. „Was Ihr auf französisch in meinen Romanen lest, ist die Art, wie man in meinem Dorf in unserer Sprache Wolof denkt und spricht.“
Seit mehr als 30 Jahren komponiert Ken Bugul mit ihren Romanen ein Bild ihres Lebens als Frau. Dabei verbinden sich ihre Liebesgeschichten immer mit den sozialen und politischen Beziehungen zwischen ihrem Kontinent und dem Westen, die sie messerscharf analysiert. Obwohl sie zahlreiche internationale literarische Preise gewonnen hat, ist sie im deutschsprachigen Raum nur durch ihr Debüt "Die Nacht des Baobab" bekannt, der einzige ihrer zehn Romane, der bislang in Übersetzung vorliegt. Das ändert sich nun: AfricAvenir veröffentlicht zu Ende Oktober 2016 ihr Meisterwerk „Riwan oder der Sandweg" (1999, Grand Prix Littéraire de l’Afrique Noire und Teil der „100 Best African Books of the 20th Century“) sowie ihr zweitletztes Werk (2014) „Aller et Retour“ auf Deutsch. Wir freuen uns sehr, dass Ken Bugul aus Auszüge aus „Riwan oder der Sandweg" lesen wird.
Davor zeigen wir um
19:30 den Film KEN BUGUL - PERSONNE N'EN VEUT, Senegal 2015, 62 Min.
Die persönliche Geschichte der Autorin Ken Bugul ist durch die historischen Ereignisse Afrikas geprägt. Sie kommt 1947 in einem isolierten Dorf in Senegal, das noch französische Kolonie ist, zur Welt. Ihr Vater ist bei ihrer Geburt 85 Jahre alt. Als Ken Bugul fünfjährig ist, verlässt die Mutter den Haushalt. Diese Erfahrung des Verlassen Werdens ist grundlegend. Sie fühlt sich nicht geliebt, ist aber voller trotziger Entschlossenheit und strebt nach Freiheit. Als erstes Mädchen ihrer Familie geht sie zur Schule und hat ausgezeichnete Noten. 1971 fliegt sie nach Europa, um weiter zu studieren. Wie sie in ihrem ersten Roman «Die Nacht des Baobab» schreibt: «Während zwanzig Jahren habe ich nur ihre Gedanken und ihre Gefühle gelernt. Ich hoffte, mich mit ihnen zu amüsieren, aber ich wurde enttäuscht: ich habe mich mit ihnen identifiziert, sie aber identifizierten sich nicht mit mir.»
Die Filmemacherin Silvia Voser führt uns mit Feingefühl in dieses geheimnisvolle und bewegte Leben. Sie lässt eine mutige und verletzliche Ken Bugul selber zu Wort kommen, und evoziert das Leben einer Künstlerin, deren Werk uns zu einem neuen Blick auf eine Welt voller komplexer Beziehungen verhilft. Ein seltenes und kunstvolles Regiedebüt.
Nach einer kurzen Pause
21:00 Lesung und Gespräch mit Ken Bugul aus ihren neuen Romanen. Moderatorin: Beate Thill, Vorleserin: Sigrid Weber.
Eine Veranstaltungskooperation mit dem Centre Culturel Français, informationszentrum 3. Welt (iz3w) und dem senegalesischen Verein Association des Ressortissants Sénégalais de Freiburg e. V. (ARSF). Mit Unterstützung von EZEF - Evangelisches Zentrum für entwicklungsbezogene Filmarbeit und dem Literaturbüro Freiburg.