MITTWOCHSKINO: IN ERINNERUNG AN ABBAS KIAROSTAMI (1940 – 2016)

ZIR-E DERAKHTAN-E ZEYTUN

Quer durch den Olivenhain

Reihe: MITTWOCHSKINO: IN ERINNERUNG AN ABBAS KIAROSTAMI (1940 – 2016)
Regie: Abbas Kiarostami | Buch: Abbas Kiarostami | mit: Mohammad-Ali Keshavarz, Farhad Kheradmand, Hossein Rezai u.a.
Iran 1994 | OmU | 103 Min.
Staffelungen der Realitätswahrnehmung und -konstruktion. In Wo ist das Haus meines Freundes? (1987) hatte Abbas Kiarostami eine kleine, moralische Geschichte über den Wert von Freundschaft und Solidarität erzählt; gedreht wurde der Film in einem Dorf, das es bald darauf ob eines Erdbebens nicht mehr gab. Die Geschichte: Ein junger Mann, ein mittelloser Bauarbeiter, verliebt sich in eine Frau aus gutem Hause, deren Familie seinen Heiratsantrag aber vehement ablehnt. Als dann ein Erdbeben die Besitztümer der reichen Familie zerstört, macht sich der Mann erneut Hoffnungen, da ja nun in gewisser Weise materieller Gleichstand herrscht. Was wie eine Romeo-und-Julia-Variante klingt, wird von Kiarostami höchst kunstvoll verfeinert und verschachtelt, auf mehreren Erzählebenen perspektivisch gespiegelt und gebrochen. Ein weiteres Handlungselement ist ein Filmteam, das im Erdbebengebiet einen fiktiven Film dreht. Dieser Kunstgriff bietet Kiarostami die Gelegenheit zu mannigfachen Betrachtungen über das Metier des Filmemachens. Bei aller Komplexität findet der Film zu großer Schönheit und wird getragen von einer tief empfundenen Humanität. (nach: Roland Rust, fd 18/95)