Zum Tag der deutschen Vielfalt 2016

LES SAUTEURS – THOSE WHO JUMP

Reihe: Zum Tag der deutschen Vielfalt 2016
Regie: Moritz Siebert, Estephan Wagner, Abou Bakar Sidibé
Dänemark 2016 | OmU | 79 Min.
In einzigartiger Perspektivenwechsel statt: Für ihr Filmprojekt Les Sauteurs überließen Moritz Siebert und Estephan Wagner die Kamera einem jungen Malier, der von Marokko aus versucht, nach Europa zu gelangen. Gemeinsam mit anderen jungen Afrikanern haust Abou Bakar Sidibé auf dem Berg Gurugú, gegenüber der spanischen Enklave Melilla. Afrika und die Europäische Union werden hier durch eine hochgesicherte Grenzanlage, bestehend aus drei Zäunen, voneinander getrennt Alle paar Wochen versuchen die Männer, den meterhohen, mit rasiermesserscharfem Draht gesicherten Zaun zu überwinden, fast immer vergeblich. Im Mittelpunkt stehen aber nicht diese von der Polizei zurückgeprügelten Versuche, sondern steht der Alltag auf dem Berg, während die Männer den Mut für den nächsten Anlauf sammeln. Was aus Abous Bildern entsteht, ist das Dokument einer Gemeinschaftsbildung. In dem provisorischen Lager wird gekocht und gehandelt, wird der eine zum Handwerker und der andere zum Arzt. Es gibt Chefs und eine klare Hierarchie, es wird getanzt, gefeiert, gebetet, Fußball gespielt. Natürlich hätte das Experiment auch in die Hose gehen können. Aber Abou erweist sich als meisterlicher Filmer und Erzähler dessen, was ihn bewegt. Und als präziser Regisseur in eigener Sache: Begeistert teilt er einem Kameraden mit, welche Körperteile dieser von ihm filmen soll, während er sich wäscht. Dann wieder vertraut er der Kamera seine Sehnsucht nach Europa an und die Angst davor. Ein einzelner Mensch tritt aus der anonymen, medial verbackenen, opaken Flüchtlingsmasse heraus und wird zum agilen, sich selbst reflektierenden Subjekt seines Films. (Katja Nicodemus, DIE ZEIT)